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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 163

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Neue jiddische Literatur [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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163 unter den Juden, da in den Listen nur diejenigen aufgezählt sind, die in den Zünften eingetragen waren. So waren bei den Baltaer Uebersiedlern unter 100 jüdischen Familien 30 Handwerkerfamilien1. In 2itomir waren im Jahre 1789 21% der jüdischen Bevölkerung Handwerker2 und im Podoler Gouv. im Jahre 1820 etwa 20% in den Zünften eingetragen3. Man kann schon deswegen nicht alle jüdischen Städter, bei denen kein Beruf angegeben ist, zu der Handelsklasse zählen, da sich unter diesen viele außerzünftige Handwerker befanden. Außerdem waren noch Arbeiter und Dienerschaft vorhanden. Die verschiedenen Nachrichten4, daß sich die jüdischen Pächter und Schankwirte auf dem Lande auch mit Landwirtschaft, Gemüsebau und Viehzucht beschäftigt hätten, finden ihre Bestätigung in einem Immediatbericht Schrötters über Neuostpreußen5. Somit haben diese Juden auf dem zu jeder Pachtung gehörenden Boden Ackerbau und Viehzucht — wenn auch nur im Nebenberuf — getrieben. Auch in den kleinen Städtchen waren Juden beim Ackerbau beteiligt6, mindestens bezogen sie oft Gemüse und Milch für den Selbstgebrauch aus eigener Wirtschaft7. , Der Aufsatz von A. M e n e s ,,D as Handwerk bei den Juden im biblischen und talmu di sehen Zeitalter״ ist in populärer Form und ohne Quellennachweise verfaßt und gehört wohl nicht in eine wissenschaftliche Ausgabe von solchem Format. Dr. J. Brutzle us will auf Grund einiger Notizen in älteren jüdischen Quellen die Frage des Handels der westeuropäischen Juden mit dem mittelalterlichen Kiew beleuchten. Er ergänzt damit die Forschungen von Caro u. a. und versucht das Problem, das Heyd in seiner ,,Histoire du commerce du Levante“ (II S. 772) anschneidet, ,,auf welchem Wege die Deutschen während der Kreuzzüge und später ihre Waren aus dem Orient bekommen hatten“ dadurch zu lösen, daß er die Juden zu Vermittlern in diesem Handel macht. Im 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts ist der Weg der jüdischen Kaufleute nach Kiew von Mainz über Regensburg, Prag und Krakau, später von Regensburg auf der Donau über Ungarn gegangen. E. Ringelblums ,,Das Kreditwesen bei den Warschauer Juden im Mittelalter“ bereichert die uns bekannten Tatsachen über das jüdische Leihgeschäft (Caro, Hoff mann) mit einigen neuen Einzelheiten. Dr. H. Landau gibt interessante Angaben über den jüdischen Anteil in der russischen Zuckerindustrie. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts beginnen Juden den Bau von Zuckerfabriken zu finanzieren. Später pachten sie die Fabriken oder bauen selbst welche. Vor dem Kriege besaßen dort die Juden 32,5% aller Fabriken, und stellten 42,4 % der Verwaltungsmitglieder der Aktiengesellschaften für Zucker- Industrie und 36,4% der Direktoren. M. Gergel versucht eine Statistik der jüdischen Pogrome in der Ukraine in den Jahren 1918—21 zu geben. Für 531 Orte sind 887 Pogrome und 349 Exzesse notiert, in denen 31 071 Juden ums Leben kamen. 1 ״Voschod“. Petersburg 1887. H. IX, S. 123. 2 Evrejskaja Starina. Petersburg 1910. 'S. 377. 3 Marczynski: Statvstyczne, topograficzne i historyczne opisanie Gub. Podolskiej. Wilno 1820/2. 4 Kausch: Nachrichten über Polen I. Salzburg 1793. S. 191. Evrejskaja Starina 1911, S. 104. El-Zet: Mit hundert jor zurück (jidd.). Montreal 1927. 5 Hauptarchiv Warschau. S. P• 66 II. 6 Orsanskij: Evrei v Rossii. 1872. S. 176 ff. 7 Katzowitz: ששים שנות חיים. Berlin 1925. S. 55. 11*

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