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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 162

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Neue jiddische Literatur [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 zu überschätzen. Da kein Material für das Jahr 1825 vorhanden ist, mußte man solches aus früherer Zeit benutzen. Hier kann gleich eingewandt werden, daß mit demselben Recht, mit dem man auf das Jahr 1825 Angaben für die zweite Hälfte und die Wende des 18. Jahrhunderts bezieht, auch Materialien aus der Zeit nach 1825 herangezogen werden können. Es ist auch bedenklich, die Angaben über Handwerk in den westlichen Teilen des ehemaligen Polens und diejenigen über Pacht- und Schankwirtschaft in den östlichen auf ganz Polen zu beziehen. Pacht- und Schankwirtschaft sind eine Begleiterscheinung der unentwickelten Naturalwirtschaft und konnten sich in den östlichen polnischen Randgebieten stark entfalten, in denen der große Latifundienbesitz und die extensive Wirtschaft das Pachtsystem förderten. Dort versahen die Schankwirte auch die Funktionen des Handels überhaupt1. Dagegen war dieses Gewerbe in den westlicheren Gebieten nicht so stark entwickelt und lag auch nicht ausschließlich in jüdischen Händen. Jedenfalls waren es die Städte des Posener und Kalischer Departements, in denen der Anteil der Juden an Herstellung und Verkauf der geistigen Getränke viel kleiner war, als ihr Anteil in der städtischen Bevölkerung überhaupt2. Im Jahre 1813 waren in den Gebieten des späteren Königtums Polen 17 561 Juden und im Jahre 1930 nur noch 2084 in der Schankwirtschaft beschäftigt3, In den westlichen Provinzen, in denen die nicht jüdischen Zünfte in Anlehnung an das benachbarte Preußen stärker waren, konnten die Juden naturgemäß weniger als in den östlichen in das Handwerk eindringen4. Es würde zu weit führen, hier alle Einzelheiten der Wirtschaftsgeschichte der Juden in Rußland und Polen hervorzuheben und so soll nur auf die entsprechenden Kapitel unserer demnächst erscheinenden Wirtschaftsgeschichte der Juden dieser Länder5 verwiesen werden. Hier sollen nur noch einige Bemerkungen gemacht werden. H a n d w e r־k6. Aus dem Prämienplan der preußischen Regierung in Neuostpreußen kann man nicht die Folgerungen ziehen, daß unter den Juden wenig Handwerker waren (S. 33 ff.). Der Passus über Handwerker dort war eher eine Folge der Beschwerde der Juden gegen die Vorschriften des Judenreglements vom Jahre 1797 über jüdische Handwerkerlehrlinge7. In Neuostwie in Südpreußen war sogar ein Ueberfluß in verschiedenen Berufen der jüdisehen Handwerker zu spüren8. In der Tabelle für das Jahr 1818 fehlen bei Gessen9 die Angaben über die jüdischen Handwerker dreier Gouvernements, wodurch der Prozentsatz der Handwerker nur für die übrigen 12 Gouvernements zu berechnen ist und so beträgt er schon darum nicht 11,6% (S. 56), sondern etwa 13,6% der jüdischen Gesamtbevölkerung. Faktisch waren aber viel mehr Handwerker 1 R. Schmidt: Handel und Handwerk in Neuostpreußen. Göttingen 1910. S. 5. 2 Vgl. Krug: Beiträge zur Beschreibung von Süd- und Neuostpreußen. Berlin 1803. S. 55, 217. 3 Archiv Alter Akten, Warschau (A. A. A. W.). Akten der Innenkommission, Nr. 6600. Frenk in Blätter für Demogr., Statistik und Wirtschaftskunde der Juden. Berlin 1925« H. 3, S. 184. 4 Vgl. Czacki: Rozprawa o zydach. Krakau 1860. S. 118. 5 Das Wirtschaftsleben der Juden in Rußland und Polen im 18.—19. Jht. 6 Zu M. Grunwalds Angaben in MGWJ 1930, S. 415 ff., über jüdische Handwerker soll hier folgendes bemerkt werden: Abgesehen davon, daß die jüdische Wirtschaftsgeschichtsschreibung schon lange über eine Aufzählung loser Tatsachen herausgewachsen ist, stammen die dort gebotenen Nachrichten über Handwerker in Rußland und Polen aus nicht ganz zuverlässigen Quellen und enthalten nur ein paar wenig sagende Angaben, während über das jüdische Handwerkertum viel einschlägige Literatur vorhanden ist. Fürs erste soll auf die Literaturangaben im Probeheft der Enz. Judaica s. v. ״Handwerk“ und der hebr. Enz. Eschkol Bd. I s. v. אומנות und über jüdische Zünfte auf die Angaben bei Wischnitzer in ,,Vierteljahrschrift f. Sozial- und Wirtschaftsgeschichte‘‘ 1928, S. 433 ff., verwiesen werden. 7 Vgl. Lewin in MGWJ 1915, S. 278, 280. 8 Vgl. Müller: Die preuß. Kolonisation in Nordpolen u. Litauen. Berlin 1928. S. 167. Schles. Provinzialblätter 1795, S. 514. 9 Gessen, J.: Istorija evrejskago naroda I. Leningrad 1925. S. 186.

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