Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Neue jiddische Literatur II.1 Von B. Weinry b in Breslau. Historisches. Das Jüdische Wissenschaftliche Institut Wilno hat zwei Erscheinungen zweier neuer Sektionen zu verzeichnen. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik und die historische Sektion (beide haben ihren Sitz in Berlin) haben den ersten Band ihrer Schriften erscheinen lassen. Die ״Schriften für Wirtschaft und Statistik“ I (שריפטן פאר עקאנאמיק און סטאטיסטיק, Berlin 1928, 260 S. jidd. und 34 S. deutsch [Zusammenfassungen] in 2°) unter der Redaktion von J. Lestschinsky bilden gleichsam eine Fortsetzung der von ihm gemeinsam mit Brutzkus und Segal im Jahre 1925 in Berlin herausgegebenen ,,Blätter für Demographie, Statistik und Wirtschaftskunde der Juden“. Lestschinsky eröffnet den Band mit seiner Arbeit ,,Das jüdische Volk im Wandel der letzten hundert Jahre2“, in der er den Versuch macht, trotz der ungenauen und fehlerhaften statistischen Angaben über die Juden ein Bild ihrer Entwicklung in den Jahren 1825—1925 zu geben. Er ist sich klar, daß diesem Versuch viele Mängel anhaften müssen und daß man oft nur mit Schätzungen arbeiten kann; glaubt aber eine annähernde Wahrheit in Ziffern herausarbeiten zu können. Im bezeichneten Jahrhundert seien es zwei Prozesse, die die Entwicklung des jüdischen Volkes bestimmen: Umsiedlung und Umschichtung. Die Zahl von 3 281 000 Juden in der ganzen Welt im Jahre 1825 ist auf 14 800 500 im Jahre 1925 gestiegen. In einer ganzen Reihe Tabellen werden Zuwachs und Veränderungen in den verschiedenen Ländern und Städten dargestellt. Man ersieht hier die Tendenz der Juden in diesem Jahrhundert zu einer kompakten Konzentration in den großen Städten. Im zweiten Teil der Arbeit weist L. wieder auf Grund von statistischem Material nach, daß die jüdische Wirtschaft im Laufe dieser Zeit an Einseitigkeit teilweise eingebüßt habe. Im Handel haben die Juden im allgemeinen das Prozentual Verhältnis von vor hundert Jahren eingehalten, dagegen in Handwerk und Industrie neue Arbeitsmöglichkeiten für sich erschlossen. Der Prozentsatz bei produktiver Arbeit (Ackerbau, Handwerk, Industrie, freie Berufe und andere manuelle Arbeit) wurde bei Ostwie auch bei Westjuden größer. Dieser Versuch, die Entwicklung des jüdischen Volkes während der letzten 100 Jahre zu übersehen, ist vom methodischen Standpunkt aus interessant und bietet eine Fülle gut geordneten Materials. Es liegt aber schon im Charakter einer Gegenüberstellung von Anfangs־ und Endpunkt einer Epoche, ohne dabei auf die Entwicklung der ganzen Zeit einzugehen, die Gefahr, manches zu übersehen, anderes wieder in seinem Wert 1 Vgl. MGWJ 1929, 8. 267 f. 2 Der erste Teil ist auch im Weltwirtschaftlichen Archiv, Bd. 30, Kiel 1929, S. 123 ff., veröffentlicht. Monatsschrift, 75. Jahrgang, 11