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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 131

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Neue Dokumente über Salomo Molcho
Date
1931-01-01
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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131 nach Venedig, sondern jedesmal, wenn er Rom verlassen muß, kehrt er nach seinem Wohnsitz in Venedig zurück. Nur so erklärt sich, wie Molcho dazu kam, sich in den Streit zwischen Jakob Matin und Elia Chalfan einzumischen, was bei der Annahme eines kurzen, nur vorübergehenden Aufenthaltes in Venedig ganz unbegreiflich erscheinen muß. Die Vermutung, daß Molcho in Venedig seinen festen Wohnsitz hatte und dort in großem Ansehen stand, wird durch ein anderes Schreiben Dienas, welches derselben Gutachtensammlung entnommen ist, bestätigt. Es ist ein Gutachten, das, wie aus dem Inhalte hervorgeht, nach Venedig gerichtet ist, und behandelt folgenden Fall: Ein Bankier Abraham Kohen (כ״ץ) hatte unter anderem Palästinagelder aufgenommen, um sie zu verleihen. Kurz vor seinem Tode beschlagnahmten seine Gläubiger und seine Frau das ganze Vermögen und wollten den Verwaltern der Palästinagelder das Darlehen nicht zurückzahlen, Diena rügt zunächst allgemein die unter den Juden in Venedig verbreitete Unsitte, sich an die weltliche Behörde zu wenden, und fordert die Rabbiner auf, dem Beispiele Mantovas, Ferraras, Bolognas, der Mark und der Lombardei zu folgen, die Maßnahmen dagegen getroffen haben. Was nun den gegebenen Fall betrifft, so ist er der Meinung, es sei ein allgemeiner Bann zu verkünden, wodurch jeder, der irgendetwas vom Vermögen Abraham Kohens besitzt, verpflichtet wird, dies innerhalb drei Tagen anzuzeigen, und zwar entweder ,,einem der Rabbiner in Venedig, oder dem greisen, angesehenen Benedet, oder dem weisen Moses Noveira, oder dem in der praktischen Kabbala bewanderten (הנכון לחש, der Name fehlt in unserer Abschrift und ist durch einen leeren Raum angedeutet)-, oder dem göttlichen Manne Ascher Meschullam L e v i‘c. Ueber die namentlich angeführten Persönlichkeiten sind wir ziemlich gut unterrichtet. Benedet ist sicher der hochgeachtete greise Rabbiner Benedet Axilrad oder Axildar, Noveira sein Kollege, bekannt unter dem Namen Moses Bassan aus Noveira (über beide vgl. Mortara, Index s. v. Acsildar und Bassan Mose da Nojera); sie waren es, die gegen Benjamin Zeeb, Rabb. zu Arta auftraten und ihm den Rabbinertitel entzogen (vgl. Kalai Sam., Responsen ,,Mischpete Schemuel“, Nr. 120). Aber wer ist die dritte Person, deren Name nur durch leeren Raum angedeutet ist? Das Epitheton ,,בבון לחש“, welches dieser ungenannten Person beigelegt wird, scheint darauf hinzuweisen, daß der leere Raum durch Salomo Molcho auszufüllen ist; denn in dem ersten von uns behandelten Schreiben schickt Diena dieses Epitheton dem Namen Molchos stets voran. Dadurch läßt sich auch das Jahr dieses GA ungefähr bestimmen: es kann nicht später als die erste Hälfte von 1532 und nicht früher als 1530 entstanden sein. Wenden wir uns der vierten Person zu, so findet unsere Vermutung eine Stütze. Ascher Meschullam Levi muß sicher mit dem Ascher Levi aus der Familie Meschullam identifiziert werden, der bei Neppi-Ghirondi erwähnt wird und im Frühjahr 1532 starb (vgl. TGJ. S. 36, Mortara, Index s. v. ,,Mesciullam Ascer“). Abgesehen 9*

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