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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Neue Dokumente über Salomo Molcho
Date
1931-01-01
Page
Seite 130 (sequence 4)
Language
German
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130 als David Reubeni aus- und angab, er sei aus dem Gefängnis entkommen. An diese Flucht glaubt ja selbst Kaufmann. Ein dreister Schwindler mag die Leichtgläubigkeit der Menge ausgenutzt und sich David Reubeni genannt haben. Nur so läßt sich die merkwürdige Tatsache erklären, daß Diena in seinen Ausfällen gegen Reubeni hauptsächlich das Ziel verfolgt, ihm den Rabbinertitel zu entziehen, dessen er sich unwürdig gezeigt habe, wie es in der Aufschrift ausdrücklich heißt: להסיר תאר החברות. Von dem echten David Reubeni wissen wir, daß er sich immer als des talmudischen und rabbinischen Schrifttums unkundig bezeichnete und nur als Kriegsheld gelten wollte. Er wird daher kaum nach einem Rabbinertitel gestrebt haben. Das widerspräche seinem ganzen Wesen und Auftreten. Nur ein ungeschickter falscher David Reubeni konnte auf diesen Gedanken kommen und daher, wie es scheint, leicht entlarvt werden, so daß von ihm außer dem Schreiben Dienas keine andere Spur auf uns gekommen ist. III. Salomo Molchos Aufenthalt in Venedig. Daß sich Molcho in Venedig aufhielt, ist bekannt, da er selbst in seinem zweiten Schreiben an Taitazak davon spricht. Aber im allgemeinen wird dieser Aufenthalt als kurz und vorübergehend hingestellt und auf die Zeit zwischen seinem ersten und zweiten Aufenthalt in Rom (etwa die zweite Hälfte des Jahres 1530) beschränkt. Kaufmann (REJ XXVII, 58) meint in seinem Artikel über Jakob Mantin, daß Molchos Aufenthalt in Venedig keinen anderen Zweck hatte als die Drucklegung seiner Werke, die aber infolge von Mantins Eingreifen nicht zustande gekommen sei. Ueber den Aufenthalt und das Wirken Molchos, seitdem er Rom zum zweiten Mal verlassen mußte, (1531) und sein Auftreten in Regensburg (Herbst 1532) ist nach der Meinung der Historiker ein undurchdringlicher Schleier gebreitet. Sie ergehen sich daher in Vermutungen über den von Molcho gewählten Weg; er soll über Bologna, Ferrara, Mantova gereist und auf dem Wege David Reubeni wieder getroffen haben. Durch unser Schreiben wird der Schleier ein wenig gehoben. Wir erfahren aus ihm, daß sich Molcho unmittelbar vor seiner Reise (Ende August 1532) in Venedig aufhielt. Nach Venedig wird er sich wohl gleich begeben haben, als er Rom zum zweiten Mal verließ; denn in dem zweiten Brief an Taitazak aus dieser Zeit gibt er für Briefsendungen die Adresse des Arztes Elia (Chalfan) an. Molcho hielt sich also während dieser ganzen Zeit hauptsächlich in Venedig auf, wo er weitverzweigte diplomatische Beziehungen unterhielt; dort wird er wohl die Anstalten und Vorbereitungen zu seinem verhängnisvollen Schritte getroffen und zusammen mit David Reubeni seine Pläne ausgearbeitet haben. Wir gehen noch weiter und stellen die Vermutung auf, daß Molcho überhaupt während seines italienischen Aufenthaltes seinen festen Wohnsitz in Venedig hatte. Von dort aus stand er in stetem Kontakt mit seinem Kreise aus Salonik, und nur ab und zu unternahm er Exkursionen nach Bologna, Ferrara und Rom. Nicht also um seine Werke zu drucken begab er sich

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