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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 129

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Neue Dokumente über Salomo Molcho
Date
1931-01-01
Page
Seite 129 (sequence 3)
Language
German
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129 wohnheit ....;er bleibe nur fest in der Lehre und den Vorschriften, so wird seine Tugend vor ihm einherschreiten, und er wird mit seinen Füßen keinen bösen Weg betreten. . . . Asriel Diena, den 1. Elul 292.“ Wir erfahren aus diesem Schreiben nebenbei, daß Molcho seine Reise nach Regensburg nicht, wie Grätz angibt, im Sommer 1532 unternahm, sondern erst im Herbst. Daß hier Diena die Hoffnungen Molchos uneingeschränkt teilt, braucht nicht erst hervorgeb oben zu werden. Vergegenwärtigt man sich, daß der Brief nicht ganz drei Monate vor dem Martyrium Molchos datiert ist, so muß man annehmen, daß Diena Molcho bis zu Ende treu blieb. Hat er etwa nachher seine Meinung geändert? II. Ist David Reubeni 1535 wieder in Italien auf getaucht? Seit Kaufmanns Veröffentlichung des erwähnten Schreibens Dienas hat niemand daran zu zweifeln gewagt, daß es der Fall ist, und selbst ein so kritischer Geist wie Steinschneider folgt ohne Bedenken der Angabe des Schreibens von 1535. Die hohe Verehrung jedoch, die Diena in dem von uns veröffentlichten Schreiben Molcho zollt, muß uns gegen das erste Schreiben mißtrauisch machen, indem David Reubeni als ״Haman“ bezeichnet wird. War doch Molcho bei seinem letzten Unternehmen, zu welchem ihm Diena seinen Segen erteilte, von David Reubeni begleitet, so daß die Verehrung für Molcho sich dann auf seinen Leidensgenossen erstrecken müßte. Man wird vielleicht erwidern, daß nach dem Martyrium Molchos Diena seine Meinung geändert habe, und aus einem Verehrer ein heftiger Gegner geworden sei. Allein in diesem Falle wäre eine Andeutung Dienas über die in ihm vorgegangene Umstellung in seinem späteren Schreiben kaum unterblieben. Wir suchen sie. aber vergebens. Ich glaube daher, daß Kaufmann etwas übereilig die deutliche Mitteilung des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Josef ha-Kohen beiseite schob, mit welchem alle älteren Quellen übereinstimmen. Danach wurde David Reubeni zusammen mit Molcho fe.stgenommen, nach dem Martyrium des letzteren nach Spanien überführt und in einen Kerker geworfen. Das hat Kaufmann unterschätzt und deshalb den wahren Sinn des Schreibens Dienas von 1535 verkannt. In diesem wird nicht von dem berühmten David Reubeni gehandelt — der schmachtete im Gefängnis —, sondern von einem Manne, der sich als jenen ausgab, also von einem falschen David Reubeni. Sieht man näher hin, so findet man eine ziemlich klare Andeutung, daß es sich um einen falschen David Reubeni handelt. Die Worte: ,,ich habe seine Schande entdeckt und jedermann gesteht, daß er durchaus gefälscht ist“ (גליתי עלותו והכל מודים מזויף מתוכו פפול) passen kaum auf den echten David Reubeni, der wohl als Schwindler und Lügner bezeichnet werden konnte, niemals aber als ,,gefälschter“. Daß dieser falsche David Reubeni beim Volke Glauben fand, ist nur allzu verständlich, wenn man bedenkt, daß nach dem Bericht Josef ha־Kohens ein Zeitgenosse mit Bestimmtheit behauptete, Salomo Molcho nach seinem Martyrium acht Tage bei sich beherbergt zu haben, was viele — anscheinend auch Josef ha-Kohen selbst — glaubten. Um wie viel leichter mußte der Glauben finden, der sich Monatsschrift, 75. Jahrgang. 9

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