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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 128

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Neue Dokumente über Salomo Molcho
Date
1931-01-01
Page
Seite 128 (sequence 2)
Language
German
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128 wie es scheint, persönlicher Freund Molchos war, daß er auf ihn große Hoffnungen für ,,Kelal Israel“ setzte und ihn gegen die Angriffe seiner vielen Gegner in Venedig in Schutz nahm. Leider ist der Adressat, an den unser Schreiben gerichtet ist, nicht genannt, allein aus dem Inhalte und dem intimen Ton des Briefes ist leicht zu ersehen, daß es sich nur um einen guten Freund Dienas aus Venedig handeln kann. Ich gebe hier in deutscher Uebersetzung den Brief Dienas — unter Auslassung der halachischen Partie — wieder und lasse unten in der Beilage den vollständigen hebräischen Text folgen. ,,Seitdem ich Dir vorige Woche geschrieben habe, erhielt ich keine Erwiderung bezüglich der Verleumdung der Juden in Venedig; ich möchte gerne erfahren, daß Gott Israel Gutes zugedacht habe. Durch den Ueberbringer dieses Schreibens wird es Dir nicht schwer fallen, mir Mitteilungen zu machen. Auch über Menachem Creme aus Casal Maggiore laß mich wissen, weshalb er verfolgt wird und welches Vergehen an ihm gefunden wurde . . . ,,Mein Ohr vernahm, daß es Juden gibt, welche streitsüchtig gegen den in der praktischen Kabbala vertrauten (הנבון לחש bewandert in den Geheimsprüchen der Kabbala) Salomo Molcho murren, weil er sich wie die Nicht juden kleidet und in ihren Sitten wandelt, während es dem Juden befohlen ist, sich durch seine Kleidung, Sitte und Sprache von den anderen Völkern zu unterscheiden.Dieses gilt nur dann, wenn der Jude es in der Absicht tut, sich dem Nichtjuden anzugleichen, nicht aber wenn er es im Hinblick auf einen bestimmten Nutzen tut. Wenn also ein Jude, der Zugang zum königlichen Hof hat, sich prunkhaft kleidet und schmückt, damit er vor Königen und Fürsten auf treten kann und von ihnen nicht verachtet und geringgeschätzt wird — gemäß dem Spruche : in meiner Stadt genügt mir mein Name, außerhalb von ihr mein Gewand — begeht er keine Sünde. . . . Salomo Molcho, der Zugang zu Königen hat, und seinen Sitz unter den Fürsten gründet, um die Einheit Gottes zu verkünden und unserer Lehre hohe Achtung zu verschaffen, der gegenwärtig vor Königen ohne Scham mit beredten Worten Zeugnis für unseren Glauben ablegt, begeht daher keine Sünde, wenn er nichtjüdische Kleider anlegt und sich nach Art der Nicht juden schmückt, damit er Zugang zu hochstehenden Personen hat und von ihnen nicht verachtet wird. Was hat denn dieser Pöbel, der gegen ihn murrt? Gibt er nicht unserem Gotte die gebührende Ehre? Ruft er nicht gleich unserm Vorahn Abraham im Namen Gottes? Verkündet er nicht den wahren Glauben, so daß die, die vom Wege des Verstandes abweichen, zittern und ihren Mund nicht öffnen? Sage also denjenigen, welche ihn deshalb rügen, daß ihr Schweigen besser wäre als ihr Gerede. Ihm (Molcho) dagegen lasse Deine Worte wie Tau zufließen und grüße ihn in meinem Namen aufs Beste. Ich segne ihn aus der Ferne: Gott möge ihm beistehen und Frieden gewähren; Gott schicke einen Engel vor ihm her, derihn auf seinem Wege beschützt, und was er u n ternimmt, möge glücken; ganz Israel sei im Segen inbegriffen. Sage ihm in meinem Namen, daß er sich um all das Gerede gegen ihn nicht kümmere, und verzeihe nach seiner tugendhaften Ge-

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