Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Studenten und Doktoranden der Universität Duisburg im 18. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 3)
- Language
- German
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120 zulässig sei, sondern über die Eidesformel, die bei dieser Gelegenheit zu gebrauchen sei. Denn es stand die erste Promotion eines Juden — Joseph Hamburg aus Mainz — bevor, für den der Kurfürst selbst die Promotionsgelder bezahlt hatte1. Da die Matrikel aus dieser Zeit verschollen sind, ,wissen wir leider nur noch von dem weiter genannten Joseph Gottschalk von Geldern, daß er vor 1792 an der Universität Mainz studiert hat. Als in Bonn i. J. 1777 von dem Kurfürsten Maximilian Franz die Hochschule errichtet und eingeweiht wurde, galt dies als ein förmlicher Triumph der herrschenden Geistesrichtung der Aufklärung2. Wir finden, daher auch Juden vereinzelt an der kurfürstlichen Anstalt, in die i. J. 1774: das Jesuiten׳־ gymnasium umgewandelt worden war, so SaJomon Anschel, Joseph Anschel, Voos Anschel3 in d. J. 1785—1791. An der Akademie, und zwar in der medizinischen Fakultät4 finden wir Salomon Anschel, der i. J. 1786 zuerst in der philosophischen Fakultät aufgeführt wird, 1786—87 Logik, 1787—88 Physik und 1788—91 Medizin studiert5, ferner den schon genannten Joseph Gottschalk von Geldern, der am 14. Dezember 1786 in Bonn immatrikuliert wird und 1786 bis 1787 Chirurgie und Medizin studiert. Dagegen begegnet unter den ,,promoti doctores“ kein Jude. Die Errichtung der erst unter dem Großen Kurfürsten i. J. 1655 ins Leben getretenen Duisbürge r Uni versit ät war schon mehr als hundert Jahre vorher ins Auge gefaßt worden6. Das fortschrittliche Brandenburg hatte damit ein geistiges Bollwerk gegen Westen vorzuschieben versucht, das gleichzeitig als Brücke für Austausch und Vermittlung niederländischer und teilweise auch französischer Bildung anzusehen war. Die Universität hatte sich trotz mancher tüchtigen Lehrkraft — unter den Medizinern ist besonders Leidenfrost zu nennen — nicht den Erwartungen gemäß entwickelt. Sie blieb, auch was die Besucherzahl anbetrifft, eine Miniatur-Universität, und Wissenschaftliehe Leistungen von hohem Wert sind auf dem Boden der Uriiversität Duisburg nur vereinzelt erwachsen. In ihrer Sterbestunde wurde ihr nachgerühmt, daß sie durch bescheidenes stilles 1Wirken ungeachtet ihres kleinen Umfanges an Lehrstellen und Mitteln auf 1 Siehe Kober, Rheinische Judendoktoren I. c. S. 191 ff. Zu den daselbst angeführten Quellen kommt noch hinzu: Würzburger Staatsarchiv, Abt. Mainzer Regierungsarchiv, Käst. 41 L1285, Universität (Unterstützungsgesuch). 2 Siehe F. v. Bezold, Geschichte der Rhein. Friedrich Wilhelm-Universität von der Gründung bis zum Jahre 1870 (Bonn 1920) S. 3 ff. 3 Wie die Genannten untereinander und mit Anschel Samuel (a. 1765, siehe G. Hoffmänn, Die Juden im Erzstift Köln im 18. Jahrh., 1928, S. 28) verwandt sind, geht aus den Eintragungen nicht hervor. Aber schon das Jesuiten- Gymnasium war von den obengenannten S. M. Cassel besucht worden (siehe den Lebenslauf in der gen. Dissertation). 4 Bonner Universitätsbibliothek S 420 — VIII Verzeichnisse der Studierenden auf der Kurfürstlichen Universität und der Schüler zu Bonn (in den gen. Jahren); S 418 ״Matrikel der Kurf. Max-Akademie, welche S. Kurf. Gnaden zu Kölln Maximilian Friedrich durch eine feverl. Urk. v. 30. 5. 1777 mildest gestiftet haben“. 6 In dem alphabetischen Verzeichnis der Cisrhenanen zu Bonn 1798 (Univers.-Bibl. Bonn) wird Dr. med. Anschel als dermalen zu Mainz wohnhaft aufgeführt (S. 2). 6 Siehe W. Ring, Geschichte der Universität Duisburg (D. 1920) S. 5 fi.; Averdunk-Ring, Geschichte der Stadt Duisburg (1927) S. .94.