Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Studenten und Doktoranden der Universität Duisburg im 18. Jahrhundert
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 2)
- Language
- German
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119 kuliert; letzterer ׳ hat vielleicht daselbst i. J. 1710 promoviert1. In Halle fanden seit 1724 verschiedene Promotionen von Juden zum D1\ med. statt, als erste die des Möyses Sobernheim aus Bingen2, der im selben Jahre die Erlaubnis erhält, als Judenarzt in Mainz praktizieren zu dürfen3. Besonders zahlreich sind die jüdischen Studierenden der Universität Frankfurt a. d; O., deren Zahl vom Ende des 17. Jahrhundert bis z. J. 1810 mindestens 130 beträgt4 5. Unter den fünf rheinischen Hochschulen Duisburg, Köln, Bonn, Trier und Mainz, die in der Franzosenzeit alle an Entkräftung zugrunde gehen6, haben Köln und Trier den Juden ihre Pforten verschlossen. An der Mainzer Universität hatte um 1770 der aus Bonn stammende Jude Simon Meier Cassel 2 Jahre hindurch medizinische Kollegien besucht, dann in Halle 4 Jahre lang Medizin und Philosophie studiert, sodann in Bonn unter Leitung seines Onkels, des kurfürstlichen Leibarztes Dr. med. Moses Wolff, 5 Jahre praktisch gearbeitet und in Gießen schließlich am 6. Februar 1781 mit der Dissertation ,,de febribusintermittentibus“ promoviert6; noch im selben Jahre aber war er zum Christentum übergetreten. Das hatte freilich nicht gehindert, daß ihm bei der Ausübung der ärztlichen Praxis in Köln Schwierigkeiten gemacht ,wurden7. Als Karl Josef von Ertal, Erzbischof und Kurfürst von Mainz,!. J. 1784 die Mainzer Universität unter dem Einfluß der Aufklärung erneuert hatte8, beriet man i. J. 1788 nicht mehr darüber, wie H. Sch rohe kürzlich dargetan9, ob die Promotion eines Juden 1 Auskunft des Hessischen Universitätsarchivs Gießen; vgl. ICIewitz u. Ebel, Die Matrikel der Universität Gießen 1608—1707 (1898) S. 165. Otto Büchner, Aus Gießens Vergangenheit (1886) S. 187 ff. 2 Siehe Kober, Rheinische Judendoktoren (Festschrift zum 75 jährigen Bestehen des Jüd.-Theol. Seminars, II. Bd. 1929), S. 192, Anm. 3. 3 Würzburger Staatsarchiv, Abt. Mainzer Regierungsarchiv, Käst. 89 L 1192. Zugleich werden Moyses Sobernheim die von seinem Vorgänger genossenen Freiheiten zuerkannt. Ebenso diene als Ergänzung für meine Ausführungen in ״Rheinische Judendoktoren‘6 S. 186: Seeligmann, Jude und ״medicinae peritus“ zu.Kreuznach, erhält Schutzbrief und Bewilligung zur medizinischen Praxis zu [Mainz-] Kastei 1674 (ib. Käst. 39 L 1186). Im Kurmain zischen Dienerbuch (Staatsarchiv Würzburg; Sign. Mainzer Accidentalu. Bestallungsbuch Nr. 4) wird als am 18. 5. 1691 aufgenommen genannt: Gump Schl am, Judendoktor, als Soldatenhospitalmedicus [zu Mainz]. — Ich verdanke diese Nachweise Herrn Dr. Dertsch-Mainz. — Gump Schlam stammte aus Bingen und hatte in Leyden studiert und das Doktorexamen bestanden (1682—1684־). Vgl. Kaufmann-Freudenthal, Die Familie Gomperz (1907) S. 371 ff. 4 L. Lewin, Die jüd. Studenten an der Universität Frankfurt a. d. O. (3ahrb. der iüd. liter. Gesellschaft zu Frankfurt a. M. 14) 1921. 5 ״Die RLeinprovinz“ 1815—1915 I S. 45. 6 Siehe den Lebenslauf in der Dissertation S. 7 ff.; dieselbe ist in der Akäd. Druckerei des Joannes Jacobus Braun in Gießen erschienen und dem geliebten Oheim gewidmet; s. ferner Stadtarchiv Köln: Kirchenbuch S. Kunibert n. 82 Getaufte Juden 1747—1792, f. 8b; in der Wahl seiner Taufpathen —* es sind der spätere Bürgermeister Reiner Klespe und Maria Sibylla Schaafhausen aus der bekannten Bankierfamilie —ist er sehr vorsichtig (Prof. Dr. Keussen-Köln). Med. Fak. n. 75 Aerztliche Praxis. Allgem. 1781—1794 betr. Cassel. 7 Im Jahre 1788 hat er sich noch einmal der Doktorprüfung an der Kölner mediz. Fakultät unterzogen, da die Gießener Promotion anscheinend nicht anerkannt wurde; seit 1787 ist er Dozent an derselben (Prof. Dr. Keussen-Köln). 8 Siehe ״Volk und Scholle‘6 VI. Jahrg. H. 3/4 (1928) S. 75. 9 Archiv für hess. Geschichte u. Altertumskunde, N. Fi 16 (1929) S. 189.