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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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116 Sohn des Fressers) zitiert wird1. Die Bedeutung des Purims für das Volksdrama in jüdisch-deutscher Sprache (״Purimspiele“) ist allbekannt und braucht hier nicht dargestellt zu werden; interessant ist es aber, daß auch ein anderes hebräisches Drama, das bereits erwähnte ״Jesod ‘olam“, anscheinend für das gleiche Fest bestimmt war. Damit berühren wir eine sonst nie untersuchte Frage, ob nämlich die alten hebräischen Theaterstücke je aufgeführt wurden. Im Falle der ,,Trauungskomödie“ ist dies durchaus zu bejahen. Die Worte der Einleitungszeilen in Ms. A לצחק בר בימי הפרדים sind wohl nicht anders zu deuten als: ״um es während des Purimfestes aufzuführen“; auch sonst ist im Texte nur von Zuhörern, nie aber von Lesern die Rede:לכו ש מ ע ו בדיחותא.., ואלי השומעים ינעם (Empfehlungsgedicht von Mesullam Sullam), חברים מקשיבים (Prolog zu A), ש מער ררונים (Prolog zu C) usw. Wenngleich keine direkte Nachricht von einer Aufführung des Lustspieles auf uns gekommen ist, dürfen wir annehmen, daß die im XVIII. Jht. bezeugten hebr. Theatervorstellungen auf einen älteren jüdisch-italienischen Brauch zurückgehen. So gab es z. B. im Jahre 1758 zu Rom eine Aufführung des biblischen Schauspiels ״Jephta und die Ammoniter“ (Wikkuah Jiftah u-bene *Ammon) von Abraham Anau2, und im Jahre 1793 eröffnete man die Synagoge von Florenz mit einem Festspiel ״Gesetzesfreude“ (Simhat miswa), Worte von Daniel Terni, Musik von Michael Bolaffi3. Sollte die ״Trauungskomödie“ von Leone de' Sommi stammen, so ist kaum daran zu zweifeln, daß er sie — vielleicht gar mit seiner jüdischen Schauspielertruppe — zur Aufführung gebracht hatte. Die Steigerung des burlesken Elements in der überarbeiteten Fassung (Mss. BCD), und zwar die Einfügung der humoristischen Jona-Szenen und vor allem das Finale mit Blinde Kuh-Spiel, Prügelei und Sängerchor, scheint sogar auf wiederholte Aufführungen hinzuweisen. Jedenfalls hat die Komödie ihren Schöpfer überlebt und eine gewisse Verbreitung gefunden, wie die Zahl der erhaltenen Mss. und die Bearbeitung des Textes beweisen. Merkwürdig ist allerdings, daß man den Dichter so schnell vergessen hat und daß selbst im ältesten Ms. nur sein Vorname angedeutet wird. Oder soll man seinen Familiennamen mit Absicht getilgt haben? Natürlich war die Verbreitung der Komödie lokal begrenzt. Sieht man doch in späterer Zeit, daß sogar ״Jesod *olam“, ein Drama des gebürtigen Amsterdamers M. Zacuto, gedichtet nach spanischen Mustern und in zahlreichen Mss. vorhanden, den Sefardim von Amsterdam unbekannt blieb. Nur so ist es zu erklären, daß diese im Jahre 1673 das Schauspiel ״Asire hat-tiqwa“ von Joseph Penco als erstes hebräisches Drama begrüßten. Um so weniger konnte das hebräische Lustspiel wirklich populär werden. Diesem stand auch sein z. T. frivoler Inhalt im Wege; gar mancher prüde Leser wird es als sittenverderbend weggeworfen haben, ohne den gegenteiligen Versicherungen des Ver- 1 Zu den ,,orecchi <TAman“ vgl. Steinschneider in der MGWJ 1903 S. 360f.; über den Rabbi Bibi s. Davidson, Parody in Jewish Literature (1907) S. 23. 2 Siehe darüber Margoliouth, Catalogue, Bd. III, S. 499. 3 Dies geht aus dem Titelblatt des Werkes hervor.

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