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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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113 Die ersten Ansätze zur dramatischen Form findet man in den Responsionen der jüdischen Liturgie sowie in religiösen Poesien, in denen zwei oder mehrere Personen (auch unbelebte Wesen) miteinander redend auftreten; es genüge an dieser Stelle auf die zahllosen Dialoge von Gott und der Gemeinde Israel hinzuweisen. Später (seit dem XII. Jht.?) kommen noch die sogenannten Rangstreitgedichte hinzu, in denen Gegenstände oder Symbole um ihren Vorhang streiten, z. B. Wein und Wasser, Leben und Tod. M. Stein- Schneider hat diese Gedichtgattung in einem posthum erschienenen Werke behandelt, wobei er neben der hebräischen auch verschiedene europäische und orientalische Literaturen berücksichtigt1. Mit dem Aufkommen des Humanismus lernte das christliche Abendland die griechisch-römischen Theaterstücke genau kennen; teilweise unter deren Einfluß, zum Teil aber auch von selber, verwandeln sich die primitiven Streitgedichte in regelrechte Bühnen werke. Im XV. und XVI. Jht. entsteht das neue abendländische Drama; diese für Europa entscheidende Periode hat wohl viele hebräische Dialog- und Streitgedichte gezeitigt, von einem Uebergang zum Drama ist bei ihnen jedoch nichts zu merken. Einige Aehnlichkeit mit den alten ,,Contrasti“ (Streitgedichten) ist höchstens in den hebräischen allegorischen Singspielen des XVII. und XVIII. Jhts. vorhanden, namentlich im ,,Wikkuah“ von Tmmanu'el Frances (1670)2, während die hier behandelte Komödie des XVI. Jhts., trotz ihres ehrwürdigen Alters, keinerlei Berührungspunkte mit den Streitgedichten bietet. Diese merkwürdige Tatsache hat ihren Grund darin, daß die Geschichte des hebräischen Dramas keine organische Entwicklung kennt. Die alten hebräischen Theaterstücke sind sämtlich in Anlehnung an italienische bzw. spanische Vorbilder entstanden, die schon eine lange Entwicklung hinter sich hatten. Daher fehlen in der hebräischen Literatur alle Bindeglieder zwischen Streitgedicht und Drama, ja, eigentümlicherweise ist das erste hebräische Theaterstück — unsere Komödie *— zugleich das komplizierteste und bühnenwirksamste unter allen Werken dieser Gattung. Sie muß nämlich als das erste heute bekannte Bühnenwerk in der hebräischen Literatur angesehen werden. Man hielt dafür bisher M. Zacutos (1625—1692) ,,Jesod f01am“, und A. Berliner benannte deswegen seine Edition: ״Jessod Olam. Das älteste dramatische Gedicht in hebräischer Sprache“. Indessen ist ,,Jesod 'olam'“ ein Jugend werk von Zacuto, folglich frühestens in den vierziger Jahren des XVII. Jhts. verfaßt; die ,,Trauungskomödie“ ist hingegen nach den obigen Feststellungen um die Mitte des XVI. Jhts. geschrieben, also mindestens um achtzig Jahre älter. Sie ist außerdem das einzige hebräische Lustspiel in der Zeit vom XVI. bis zum Ausgang des XVIII. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse zu untersuchen, was der Verfasser im Prolog des Ms. A über sein eigenes Werk erzählt.׳ 1 M. Steinschneider, Rangstreitliteratur. Ein Beitrag zur vergleichend^ Literatur- und Kulturgeschichte (״Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissensch. in Wien“ Bd. 106, Abt. 4), Wien 1908. 2 Hsg. von M. Mortara im קבץ על יד I, S. 129—131. 19dii Monatsscfuift, 75. Jahrgang 8

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