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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 2 · p. Seite 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 2
Article
Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
Date
1931-01-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
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112 Ermittlungen ein spätes Alterswerk von Leone ist. Daraus mag sich die Verschiedenheit des Inhalts und zugleich des Charakters der beiden Stücke erklären; eine gewisse Trockenheit und Blässe, die dem italienischen anhaften, fehlen dem hebräischen, in dem man den jugendlichen Uebermut und Trotz des Verfassers zu verspüren glaubt. Schließlich —und dies ist wohl der wichtigste von allen Gründen — die beiden Komödien wurden für ein gänzlich verschiedenes Publikum geschrieben. Im hebräischen Stücke sind mit Absicht die Hauptmotive der Handlung — wie etwa das Halsgeschmeide als Trauungssymbol und die Geschichte des Sklaven als Erben — jüdischen Quellen entnommen; desgleichen hat sich Verfasser mit Rücksicht auf die jüdischen Zuschauer sichtlich bemüht, den landläufigen italienischen Figuren einen jüdischen Charakter zu verleihen, und dies ist ihm zum Teile auch gelungen. Selbstverständlich konnte ein Stück nach Art der ״Trauungskomödie“ dem Christliehen Publikum nicht geboten werden. Eine Zusammenfassung alles bisher Vorgebrachten führt zu dem Ergebnis, daß Leone — Jehuda —de״ Sommi höchstwahrscheinlich als Verfasser der hebräischen Komödie gelten darf. Gegen diese Vermutung lassen sich keinerlei Einwände machen, um sie jedoch zur vollen Gewißheit zu machen, reicht das vorläufig bekannte Material nicht aus. 4. Zur Stellung der Komödie innerhalb der hebräischen Literaturgeschichte. Selbst wenn man die soeben erörterte Hypothese nicht akzeptieren will, bleibt die unbestreitbare Tatsache bestehen, daß unsere Komödie schon in der zweiten Hälfte des XVI. Jhts. geschrieben sein ,muß. Daraus erwächst nun die Frage, wie sie in die hebräische Literaturgeschichte einzuordnen ist: ob sie als wesentliches Glied in.der Ent- Wicklung des hebräischen Dramas gelten darf und ob von ihr bedeutende Wirkungen ausgegangen sind. Da es bis auf den heutigen Tag nicht einmal ein erschöpfendes bibliographisches Verzeichnis der ältesten hebräischen Theaterstücke bis zum Ausgange des XVIII. Jhts. gibt* 1 — geschweige denn Untersuchungen über ihr Wesen und Geschichte — können die folgenden Ausführungen nur eine bedingte Gültigkeit beanspruchen. Ich habe zwar mancherlei unbeachtetes Material zur Geschichte des hebräischen Dramas gehoben, möchte aber die Sammlung noch nicht als abgeschlossen betrachten. 1 Siehe bis auf weiteres meinen Artikel ,,Drama, hebräisches“ in der EncycLopaedia Judaicä Bd. VI (1930) coi. lff. Das daselbst gebotene Verzeichnis hebräischer Theaterstücke (col. 9 ff.) erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit: eine Vorbemerkung, in der ich diese Tatsache betonte, ist 0 h n e mein W i s 3 e h von der ]Redaktion entfernt worden. Ich möchte an dieser Stelle zwei Stücke nachtragen, die im Verzeichnis fehlen: 1. Simfra Galimäni קול שמחה (nicht identisch mit dem gleichnamigen Stück desselben Verfassers), beschrieben von M. Soave im Vessillo Israelitico 1877, S. 381—382; ein Exemplar.dieses Schriftchens besitzt das Jewish Theological Semipary of America. 2. Mose ben Aharön Sasportas, שכל מוב, Allegorisches Drama, Amsterdam 1710, verzeichnet im Katalog der Sammlung Moritz Heidenheim. Auf dieses Werk hat mich Herr Professor A. Marx aufmerksam gemacht.

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