Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
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111 hundert Jahre lang ungestört, bis sie 1904 von ihrem Schicksale ereilt wurden; bei dem großen Bibliotheksbrande sind sie, gleich Tausenden anderer Manuskripte, beinahe sämtlich vom Feuer vernichtet worden. Frl. Dr. L. Pegna hat jetzt im zweiten Teile ihres Buches alle noch vorhandenen Werke Sommis sorgfältig gesammelt und für den Druck fertiggestellt, darunter den ״Trattato suH'arte rappresentativa“, der sich glücklicherweise noch in einer Abschrift zu Parma erhalten hat, ferner einige Briefe und zwei Theaterstücke* Eins von diesen, betitelt ״LTrifile“, ist ein mythologisches Pastorale und kann naturgemäß nicht zum Vergleich mit dem hebräischen Stücke herangezogen werden, wohl aber das zweite, eine Komödie in Prosa, genannt ,,Le tre sörelle“ (Die 'drei Schwestern). Eine Gegenüberstellung der beiden fraglichen Lustspiele zeigt sofort, daß sie einander ähnlich sind, soweit es sich um ihre Form und szenische Benennungen handelt. Ihnen beiden ist ein Einleitungsgedicht — das ״argomento della favolä“ — in Sonett form gemeinsam, darauf folgt das Personen Verzeichnis — im Italienischen ,,inter*־ locüton“ überschrieben, genau so wie in den hebräischen Mss. BCD —, wobei auch diekurzen unpersönlichen Bezeichnungen hinter den Namen: ,,amante“, ״giovane“, ״ragazzd“ usw. im Hebräischen zum Teil nachgebildet sind. In den beiden Komödien ist jeder der fünf Akte in zahlreiche Szenen eingeteilt. In der Art des Auftretens und des Abganges der einzelnen Personen, in der flotten Dialogführung, ja, sogar in der Charakterisierung einiger Nebenfiguren, wie etwa der Diener, kann man eine Aehnlichkeit zwischen dem italienischen und dem hebräischen Lustspiel feststellen, 1— und dennoch ist gar kein zwingender Grund vorhanden, gerade Leone als Verfasser des letzteren 1anzusehen. Alle literarischen Vergleiche erheischen die größte Vorsicht, denn die aus ihnen gezogenen Schlußfolgerungen entstammen nur allzuoft vorgefaßten Meinungen. Im vorliegenden Fall ist dieser Grundsatz ganz besonders zu beherzigen: die Betrachtung gilt einer 'voh den italienischen Komödien des Cinquecento, welche* erstaunlich viel stereotype Züge aufweisen. Berücksichtigt man die lehrreichen Ausführungen von Frl. Dr. L. Pegna, so ist die Komödie ,,Le tre sorelle“ als das Produkt eines zwar routinierten, doch keines- Wegs originellen Bühnenautors zu werten. Die Struktur von Leones Stück, die Hauptfiguren sind in Anlehnung an die Bühnenwerke seiner Vorgänger entstanden, wobei sich eine besonders starke Abhängigkeit von N. Macchiavellis ״Mandragola“ dokumentiert. Fügt man noch hinzu, daß zwischen der hebräischen Komödie und ,,le tre sorelle“ inhaltlich nicht die geringste Aehnlichkeit besteht, so bleibt keinerlei Veranlassung, Leone auf Grund seiner italienischen Werke die ״Trauungskomödie“ beizulegen. Es darf aber auch nicht andererseits aus dem verschiedenen Inhalt der beiden Stücke das ,Gegenteil geschlossen werden. Zunächst *besitzen wir nur eine einzige italienische Komödie zum Vergleich, und daher bleibt es durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß die eine oder die andere der nicht mehr erhaltenen Komödien zahlreichere Berührungspunkte mit dem hebräischen Stücke aufweisen würde. Ferner hat der Ver- 1fasser der ״Trauungskomödie“ diese, wie schon bemerkt, in seiner Jugend vollendet, während ״le tre sorelle“ nach Frl. Dr. L. Pegnas