Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
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110 Gedicht in Ms. A. Ich identifiziere diesen Mesullam mit dem gleichnamigen Korrektor in Mantua um 16001 und glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich daraus auf die Mantuaner Herkunft der Vorlage des Ms. A schließe,. Mantua war die glanzvolle Wirkungsstätte Sommis, dort hat er die besten Jahre seines Lebens verbracht, und so mag denn der dortige Korrektor, der ihn vielleicht noch persönlich kannte״ sein Jugendwerk mit einem wohlwollenden Geleitwort versehen haben. Diese Annahme gewinnt noch an Wahrscheinlichkeit, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Sommi mit einem anderen Mitglied der Familie Sullam bekannt gewesen sein muß, da er ja die Frauendichtung ,,Magen naäirn“ Hanna de Rieti, der Gattin von Re’uben Sullam, zugeeignet hat. Stilistisch bietet das ,,Magen na§im‘f nur wenige Berührungspunkte mit der Komödie, was aber in erster ׳Linie durch die Verschiedenheit poetischer und prosaischer Form bedingt ist2. Aufschlußreichere Ergebnisse wären vielleicht nach der Veröffentlichung eines hebräischen Prosatextes von Leone in Oxford (Bodl. 2220, .2b) zu erwarten. Unter solchen ■Umständen war es natürlich von großem Interesse, die italienischen Theaterstücke Sommis kennenzulernen, um sie auf ihre Aehnlichkeit mit der hebräischen Komödie zu untersuchen. ,Da diese bisher noch nicht ediert sind und alle vorhandenen Quellen nichts außer.ihren.Titeln zu melden wissen, mußte ich eine derartige Untersuchung zunächst für undurchführbar halten. Der freundlichen Hilfsbereitschaft von Professor U. Cassuto verdanke ich jedoch die Kenntnis, einer unveröffentlichten Monographie von Frl. Dr. Lydia Pegna in Florenz (geschrieben 1926), in der . ausschließlich Leben und Schaffen Leone de״ Sommis behandelt werden. Die Verfasserin, eine Schülerin Prof. Cassutos, stellte mir ihre Arbeit bereitwilligst zur Verfügung, und so konnte ich einige italienische Werke Leones in ihrer Abschrift durchlesen, sowie einen Ueberblick über das gesamte vorhandene Material gewinnen. Ich halte mich nicht für berechtigt, der Publikation von Frl. Dr. L. Pegnas ausgezeichnetem Werke vorzugreifen, und die beachtenswerten Ergebnisse ihrer Forschungen an dieser Stelle mitzuteilen; nur die für die Ermittlung des hebräischen Komödiendichters wichtigen Daten sollen besprochen werden. Leone de״ Sommi, hat außer der Abhandlung über Theaterkunst, Gedichten und Briefen nicht weniger als* dreizehn italienische Dramen und Komödien hinterlassen. Seine Werke füllten elf Bände in der Handschriftensammlung von Turin und lagen daselbst über drei- 1 Melullam ben Jisljaq Sullam (סלם, סולם) ist als synagogaler Dichter bekannt; Zunz (LG S. 424) liest seinen Namen fälschlicherweise ״Salem“. Sein Klagelied über den Brand der Porto-Synagoge in Mantua am 19. Juni 1610 ist von D. Kaufmann;veröffentlicht worden (s. jetzt Ges. Schriften III, S. 317 f.). Ein Gedicht des Manoah b. Barukh S. in Cod. Opp. Add. Qu. 1, f. 143 ( — Neubauer Nr. 845?), s. H. B. XV, 93, A. 8. Vgl. noch Steinschneider, Gat. Bodl. 2912; Letterbode X, 114, XII, 74; Gesch. Literatur S. 112. Landshuth, Ammude.S. 265; Soave im ״Vessillo Israelitico“ 1880, S. 245; Mortara, Indice S. 64. 2 Interessant ist der parodistische Gebrauch des philosophischen Ausdruckes סכלים! נבדלים (nicht ״Intellekte“, sondern ״Toren“), dem man im Gedichte genau so wie in der Komödie begegnet.