Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine hebräisch-italienische Komödie des XVI. Jahrhunderts
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
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108: . Die beiden jüngeren Mss. C ־und D stammen aus der Bibliothek yon Siiiison Coen Modon (1679—1727)> sind demnach spätestens zu Beginn des 18. Jhts. abgeschrieben. Ms. B weist ins 17. Jht. zurück,, da es einmal im Besitz von A. J. S. Graziano (st. 1685) war und einem Vermerk aus dem■ J. 1626 trägt. Das älteste Datum — 1618 — findet sich im Kolophon von Jishaq Sinai da Cologna hinter Ms. A. Sollte seine Abschrift noch zu Lebzeiten des Verfassers hergestellt worden sein, so müßte dieser spätestens am Anfang des 17. Jhts. gewirkt haben. Dazu Kommt aber, daß die Komödie in den Vorreden zu. A und C als Jugendwerk des Dichters bezeichnet wird (אשד און וחקר ותקן וחבר בימי בחרותו, ... אשר בדה מלבו פ׳ בימי בחרותו), ihre Abfassungszeit also noch mindestens einige Jahrzehnte vor 1618 zurückliegen muß. Weiter als bis 1550 hinaufzugehen, empfiehlt es sich hierbei nicht, schon deswegen, weil beim Verfasser die genaueste Kenntnis der Meisterwerke italienischer Komödienkunst aus der ersten.Hälfte desXVI. Jhts. vorausgesetzt werden kann. Die hebräische Komödie ist nämlich, abgesehen vön den spezifisch jüdischen Eiemeinten der Handlung, eine getreue Nachahmung der landläufigen: italienischen Theaterstücke, wie sie in der Hochrenaissancezeit gepflegt wurden. Das vorläufige Ergebnis der Untersuchung wäre demnach, daß die . hebräische Komödie um die Mitte, spätestens im letzten Drittel des.XVI. Jhts. von einem italienischen Juden namens Jehuda niedergeschrieben wurde. Dieser Name gehört freilich nicht zu den seltenen,i und so mag die Auffindung seines Trägers zunächst hypothetisch erscheinen. Bedenkt man aber, daß als Verfasser des Lustspieles nur ein gediegener Kenner des Hebräischen in Frage kommt, daß es ferner in der italienischen Literatur versiert und —:last not least — mit allen Feinheiten der zeitgenössischen Bühnenkunst vertraut sein mußte, so scheiden die :meisten jüdisch-italienischen Autoren mit Vornamen;,.Jehuda“ von. selber aus. Nur zwei bleiben für eine engere Wahl ,übrig: Leo (Jehuda) Modena (1571—1648) und Leone (Jehuda) de’ Sommi (1525—1592?). •Nach allem, was bisher über Leo Modena, den leidenschaftlichen Theatermann und Musikfreund3, den gewandten hebräischen Stilisten und den Verfasser eines italienischen Pastorale ״Rahel und Jakob“1 2, bekannt war, erscheint es als durchaus plausible Hypothese, ihn für den Verfasser des hebräischen Stückes zu halten. Allerdings müßte er es schon beinahe im Knaben״, alter geschrieben haben,: denn sonst könnte die mutmaßliche Ab״ fassungszeit nicht mit . den .oben, gewonnenen Daten in Einklang gebracht werden. Doch selbst, wenn man diese Möglichkeit gelten läßt, wird, die Annahme von Modenas Autorschaft durch sein eigene s Zeugnis in der Autobiographie ,,Hajje Jehuda“ hinfällig* In diesem Werke stellt er als gereifter Mann ein Verzeichnis seiner sämtlichen Schriften auf; er unterläßt dabei nicht, das. italienische 1 Simonsen in der Berliner: Festschrift (1903) S. 342; Soave in Carriere־ Israeliiico XVI (1878—7ל) S. 30—31. 2 L. Blau, Leo Modenas Briefe und Schriftstücke (1906) 'S. 65. — חיי, יהודה, Modenas Autobiographie ed. Kahana (1911) S. 45.