Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Gebet und Zauberspruch
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 459 (sequence 3)
- Language
- German
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459 waren auch die folgenden sechs Interkalationen aufgebaut: Abraham, die Vorfahren am Schilfmeer, Josua, Samuel, Elia, Jona und David und Salomo werden der Reihe nach als Beispiele göttlicher Erhörung genannt. ,,Der sie erhört hat, möge euch erhören1!“ Die Litanei der Fastenliturgie wurde in die Selichot der Bußtage aufgenommen und erweitert. In dem üblichen jüdischen Bußritual besteht das Gebet aus zwanzig Strophen, die, nach dem gleichen Schema aufgebaut, zwanzig Beispiele göttlicher Gebetserhörung und Gnadenerweisung enthalten. Außer den in der Fastenliturgie zitierten Beispielen werden noch Isaak, Jakob, Josef, Mose, Aron, Pinchas, Elisa, Hiskia, die drei Jünglinge, Daniel, Mordechai und Ester, Esra und zum Schluß alle Frommen genannt2. Eine kürzere Formulierung der Bußlitanei findet sich im Gebet der Gemeinde am Ausgang des Versöhnungstages: Der Abraham auf Moria erhört hat, möge uns anhören; der Isaak auf dem Altar erhört hat, Jakob in Bethel, Josef im Gefängnis, Mose und die Vorfahren am Schilfmeer, Aron bei der Weihrauchpfanne, Pinchas in Schittim, David und Salomo in Jerusalem und die Frommen in jedem Geschlecht, möge uns erhören3! In einem Nachtgebete betet der Fromme: ,,Wie du Josef, Boas und Palti, den Sohn des Lajisch, vor der Sünde bewahrt hast, so behüte mich in dieser Nacht vor allen Arten der Sünde!“ In dem Gebete vor der Beschneidung heißt es: ,,Sende diesem Kinde und seiner Mutter Heilung und Leben, wie du Hiskia von seiner Krankheit, Miriam und Naaman von ihrem Aussatz, das Wasser von Mara durch Mose und das von Jericho durch Elisa geheilt hast4!“ Eine Stelle im Krankengebet lautet: ,,Sende vollkommene Heilung dem Kranken, wie du Hiskia von seiner Krankheit und Miriam von ihrem Aussatz geheilt hast5!“ Die Berufung auf biblische Personen und auf die ihnen zuteil gewordene Rettung und Hilfe tritt uns noch in einem anderen Gebet entgegen. So lehrte R. Jona im Namen des R. Tanchuma b. Chija: ,,Wer einen schweren Traum gesehen hat, soll sprechen: Es sei dir wohlgefällig, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, daß alle meine Träume, die ich in dieser Nacht oder anderen Nächten geträumt habe, sei es, daß ich sie geträumt oder andere von mir geträumt, wenn sie gut sind, zum Jubel und zur Freude, zum Segen und Leben erfüllt werden mögen. Und wenn sie zu etwas Anderem (zum Bösen) sind, mögest du, wie du das Wasser von Mara (durch Mose) und das von Jericho durch Elisa zur Süßigkeit und den Fluclr des Ben Beor in Segen verwandelt hast, alle schweren Träume und was andere von mir geträumt haben, zum Guten und Segen, zur Heilung und zum Leben, zur Freude, zum Jubel und Frieden ver- 1 M. Taan. 2, 4. 2 Kaufmann, GS. III 518 f., wo neben den 20 Strophen ans dem sogenannten polnischen Bußritual noch die 20 Strophen aus dem Siddur Amrain, 23 aus dem römischen Gebetbuch und 18 aus dem Siddur von Tripolis zitiert werden. י'•" ׳• 3 לקוטי צבי, Wien 1862, 79a. 4 59 לקוטי צביa. 107a. 5 Siddur Bet Jakob, Warschau 1881, 233.;;