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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 451

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Die problemgeschichtlichen Zusammenhänge von S. L. Steinheims "Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge"
Date
1930-01-01
Page
Seite 451 (sequence 15)
Language
German
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451 fassung von Offenbarung, Bibel und Religion überhaupt. Vielleicht dürfen wir in diesem Sinne jene uns so fremd anmutende Stelle verstehen, in der er das bloße Vernunftwissen aufhebt., um Platz zu bekommen für seine übervernünftige historische Wahrheit und für seinen Glauben an die Entwicklung; eine Stelle, die Steinheim falsch verstehen mußte, weil er sie aus Mangel an Verständnis für große geistesgeschichtliche Zusammenhänge als Ausdruck der gesamten Lessingschen Philosophie betrachtete und nicht als Ausdruck jener kleinen Um- und Rückkehr aus der Reimarusschen Sackgasse: ,,Eine gewisse Gefangennehmung der Vernunft unter den Ge־־ horsam des Glaubens beruht . . . also gar nicht auf dieser oder jener Schriftsteile, . . . sondern auf dem wesentlichen Begriffe einer Offenbarung. Oder vielmehr, —1 denn das Wort Gefangennehmung scheint Gewaltsamkeit auf der einen und Widerstreben auf der anderen Seite anzuzeigen, — die Vernunft gibt sich gefangen, ihre Ergebung ist nichts, als das Bekenntnis ihrer Grenzen, sobald sie von der Wirklichkeit der Offenbarung versichert ist. . . Es ist bloßer Fallstrick, den die Widersacher der christlichen Religion, durch Uebertreibung des Unbegreiflichen in derselben, denjenigen von ihren Verteidigern legen, die ihrer Sache so ganz gewiß nicht sind/' Diese Formulierung Lessings ist für das Denken wie für die Methode Steinheims bestimmend geworden. Wir wollen unsere Studie mit einem Werk abschließen, das den Höhepunkt, vielleicht sogar den Schlußstein unseres Problems der philosophischen Offenbarungskritik darstellt und das wir gleichzeitig als den kritizistischen Vertreter jenes Problems ansprechen dürfen: Fichtes ״Kritik aller. Offenbarung“. Wir haben ja guten Grund, sie als im Geiste Kants verfaßt zu betrachten: einen äußerlichen, nämlich ihr fast gleichzeitiges Erscheinen (1792) mit den Kritiken Kants1, sowie die durch ihr anonymes Erscheinen bewirkte Annahme des Publikums, sie sei ebenfalls von Kant verfaßt; einen inneren, der aber wiederum in der äußeren Tatsache sich manifestiert, daß Kant die Kritik aller Offenbarung freundlich aufgenommen und ihren Autor lebhaft gefördert hat: Die konsequente Anwendung der kritischen, transzendentalen Methode auf den bisher von Kant selbst noch nicht näher untersuchten Gegenstand. Der Schlußstrich, den Reimarus unter das Qffenbarungs-, wie unter das Religionsproblem setzen zu können glaubte, war ein Beispiel für das Denken der Aufklärung gewesen. Sie hatte im Vertrauen auf die restlose Durchdringung und Erfassung der Welt, sowohl der sinnlichen, wie der übersinnlichen, zu beweisen gewagt, was nur zu beweisen war auf Grund der herkömmlichen logischen Gesetze, man hatte zu wissen gewagt und war weit, sehr weit gekommen. Aber wo es mit dem Wissen zu Ende war, da sollte es auch mit der Welt und mit der Existenz zu Ende sein: Also verträgt sich Offenbarung nicht mit der Wirklichkeit, nicht mit unserer Wirklichkeit und auch nicht mit der der Bibel, mit den ״Begleitumständen“. Dieser Schlußstrich war nicht auszuradieren oder irgendwie zu beseitigen. K. r. V. 1, 1781; 2, 1787; K. p. V. 1788; K. d. U. 1790; R. i. d. Gr. 1793. 29♦ 1

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