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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 417

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Handwerker aus älterer Zeit
Date
1930-01-01
Page
Seite 417 (sequence 5)
Language
German
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417 feger im Jahre 1574 in Nikolsburg (a. a. O. S. 418). Auch die Juden trugen ja im Mittelalter Waffen (vgl. I. Abrahams, Jew. Life in the Middle Ages a. a. O. 376 ff.). In Prag wurde 1535 nach einem Streit unter Juden, die mit blanker Waffe gegeneinander losgezogen waren, vom Bürgermeister und Rat den Juden das Waffentragen untersagt (vgl. Bondy-Dworsky a. a. O. 980). Noch 1525 hatten sich die Prager Bürger für eine Parade auf dem Ringe von Juden und Edelleuten Waffen ausgeliehen (das. 962). Die Juden verstanden die Waffen zu führen (Zunz, Zur Gesch. 173), trugen Degen noch 1740 (a. a. O. 533), auch in Polen (Sternberg, Geschichte der Juden in Polen 78). Im Jahre 1744 gab es in Prag, nach einem amtlichen Bericht, Juden in allen Handwerken außer Schwertfegern und Bierbrauern (Mitt. z. j. Volksltde. IX, 44). Die Juden lehrten die Türken Waffen schmieden und anderes (Mitteil. XV, 13), die Marranen brachten diese Kunst nach Uebersee (das. IX, 14). In der Rüstkamrner des Schlosses zu Skokloster in Schweden befindet sich ein krummer Säbel mit je einem Halbmond und hebr. Quadratschrift auf beiden Seiten in Silber, auf der einen: להט החרב המתהפכת, auf der anderen: לפני מי אתה ממי SH, wie Pinner 221 vermutet, die Waffe eines Karäers im schwed.-poln. Kriege. [Der j. Gottesname auf Waffen: Blau, Altjüd. Zauberwesen 121, Agla (= אתה נב1ר לעולם ה׳) auf einem Schwerte, das Ferdinand II. vom Papste erhalten hat (Mitt. z. jüd. Volksk. V, S. 35).] Juden bereiten in Böhmen Pulver im Jahre 1581 (Bondy-Dworsky, Regesten S. 605), Abraham Colorni im Jahre 1594 (das. S. 675 und Albert Wolf in Mitt. z. jüd. Volksk. a. a. O.), daher der Name ,,Pulvermacher" (Hock-Kaufmann, Die jüd. Familien Prags1 u. s.). Die guten Maurerarbeiten algerischer J uden rühmt ein Kommissär der französischen Regierung i. J. 1840 (Mitteil. IX, 18). Iri;: Abessinien trug das Handwerk der Maurer einen spezifisch jüdischen Charakter (vgl. Cp.ro, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden I; 495). Doch ist die Zahl dieser jüd. Maurer, seitdem die Sabbatruhe verboten wurde, erheblich zurückgegangen, vgl. Fait- ]ovich a. a. O. 64. Wir finden jüdische Maurer im deutschen Mittelalter (Berliner a. a. O. 81). In Polen (ohne Warschau) gab es i. J. 1856 1973 jüdische Maurer, 74 Dachdecker usw. (Mitteil. IX, 46), jüd. M. auch in Palästina und Persien (XV, 11 u. 42), spez. in Kachan (Persien) (vgl. Ost und West 1907, S. 583). Als ich in Lissabon dasJMuseo do Carmo besuchte, hörte ich von dem Direktor, daß an der 1389—1423 erbauten, aber vom Erdbeben 1755 zerstörten Kirche, in der dieses Museum untergebracht ist, jüd. Architekten gearbeitet hätten. Durch Vermittlung meiner Lissaboner Freunde erhielt ich hierüber den folgenden Aufschluß, nach dem es sich hier nicht um Architekten, sondern um Maurer handelt: In der ,,Chronica dos Carmelitas" von Fr. Joseph Pereira de Sant’Anna-Lisboa, 1745, Band I, pag. 347, findet, sich der nachstehende Passus: ,,Ate para amassarem a cal 1 Das Zeugnis eines Hamburger jüd. Barbiers von einem Prager Meister in der Samml. J. H- Wagner, Berlin; daß in Prag die christlichen Meister mit den Juden nicht konkurrieren konnten, bei Przibram, Urkunden I 47 aus dem Jahre 1781. Monatsschrift, 74. Jahrgang. 27

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