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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 416

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Handwerker aus älterer Zeit
Date
1930-01-01
Page
Seite 416 (sequence 4)
Language
German
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416 Handwerker, Mützenmacher usw.“ (vgl. H. York-Steiner, Die Kunst, als Jude zu leben S. 242, über Spanien, Italien u. a. S. 266 ff.). Besonders oft begegnen uns jüdische Glaser. Der gutunter־ richtete A. Heilborn (Die Reise durchs Zimmer S. 93) führt Flavius Josephus als Urheber der Tradition an, daß Juden diesen Industrie־־ zweig ״zuerst erfunden und ausgebeutet hätten. Merkwürdigerweise gelten die Juden auch im Mittelalter als die geschicktesten Glasmacher. Ja, sie haben wahrscheinlich das ungefärbte, weißliche Fensterglas erfunden; denn in den zeitgenössischen Berichten über dieses ״Bleiglas“ wird es stets das ״jüdische“ genannt. Krauss, Talm. Archaeol. II S. 291 handelt von ״weißem“ Glas und S. 295 von ״sidoniscben“ Bechern. Nach Plinius (s. Juster, Les Juifs I S. 307) waren die Juden in Sidon besonders oft Glaser. Ein jüd. Glaser (II. Jahrh.) in Konstantinopel bei Juster a. a. O. Noch im 7. Jahrh. rühmen sich die in Frankreich eingewanderten Griechen, das Glas auf jüdische Weise herzustellen (Kisa, Das Glas im Altertum I). In Massilia werden wohl auch jüdische Glaser gewohnt haben. Im 12. Jahrh. findet der Weltreisende Benjamin von Tudela in Antiochia und Tyrus die Glasindustrie zum großen Teil in jüdischen Händen. Das venetianische Kunstglas dürfte daher stammen. Wir treffen Juden als Glaser fast überall bis in die neueste Zeit an. ״Zu den stets den Juden freigelassenen Gewerben gehört das des Glasers“, schreibt Baer, Das Protokollbüch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve S. 78. Ein Jude nährt sich dort 1748 mit ״Glasmachen, Fuselbrennen und Viehschlachten“. 1601 beschwert sich Markus, Glaser zu Lieben [eine Eintragung in einem Ex. des ״Sefer Mlakim“, Prag 1557 (im Besitz der Wiener Isr.-theol. Lehranstalt) lese ich: Rekhle bat ha-qasin Jishaq g“§ (= Goldschmied) m’ Lieben], beim Prager Erzbischof, daß ihm seine Glaserarbeiten im Spital und sonst nicht bezahlt werden (vgl. Bondy- Dworsky, Regesten S. 744). Aus dem Jahre 1603 (das. 701) wird Isak, Glaser zu Reichenau, erwähnt. Auch in zahlreichen mährischen Gemeinden finden wir frühzeitig Glaser1. Ueber jüdische Schmiede im Mittelalter vgl. Zunz, Zur Geschichte S. 173 und Jahrb. f. jüd. Volksk. I 400; auch,aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hören wir von jüdischen Schmieden in Mattersdorf (Taglicht, Nachlässe S. 192). Ueber Schmiede unter den Juden Portugals im 15. Jahrh. vgl. Kayserling, Juden in Portugal 59, in Abessinien: Mitteil. z. jüd. Volkskunde IX, 39, Faitlovich, Quer durch Abess. 82. In Tripolis besteht ein ganzes Dorf aus jüd. Schmieden: Mitteil. XV, S. 132. Juden als Schwertfeger im Mittelalter: Berliner, Aus dem innem Leben 81. In Mähr. Budwitz (Juden und Judengemeinden Mährens s. S. 347) lebte im Jahre 1533 ein jüdischer Schwertfeger (Mecir) und 1562 ein anderer namens Abraham, ein Jakob Schwert- 1 Fiesch a. a. O. hätte auch Pinkas Glaser (1789) aus der Triescher Liste (Juden . . Mährens 541) anführen können, die dort, wie anderes aus meinen Sammlungen, anonym erschienen ist. 2 In Arabien sind fast alle Handwerker Juden, vgl.-Saphir, Eben Sappir I, 44, s. auch Andree R., Volkskunde d. Juden 191, 195; Schudt, Jüd. Merk- Würdigkeiten II, 170, 172; [Wertheimer] Die Juden in Oesterr. II, 25.

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