Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 415

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Handwerker aus älterer Zeit
Date
1930-01-01
Page
Seite 415 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829974-2836507--50102-2836567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

415 konrrfe man auch in den deutschen Städten eine rege Beteiligung der Juden am Handwerk verzeichnen1. In Dänemark wurde den Juden, durch eine kgl. Verordnung vom 9. Sept. 1788 die Betreibung aller Handwerke und Gewerbe erlaubt. Sie ‘konnten auch das Meisterrecht zunftmäßig erlangen. (Pinner a. a. O. 60). Im Osten Europas war dies von alters her eine bekannte Erscheinung. Josef Rohrer, ״Versuch über die jüdischen Einwohner der österr. Monarchie“, Wien 18042, schreibt: Die Juden, deren ungewöhnliche Nüchternheit zu rühmen ist, waren vor der österreichischen Revindikation Galiziens fast die einzigen Handwerker im LandeJS, 66). Besonders als Posamentierer (Schmuckler) handeln sie von Rzeszow bis Livorno (S. 70), Nach Schultes (Annalen der Literatur 1807) sind die Juden in Galizien ״Schneider, Schuster, Tapezierer, Kürschner, Glasmache!, Goldarbeiter/Graveurs, sie polieren die Steine und bebauen die Felder besser als ihre cbristl. Nachbarn“. Aus dem von'Preußen neuerworbenen Netzebezirk schreibt 1773 der Geheime Einanzrat Roden — ähnliche Zeugnisse liegen auch von anderen Beamten vor — an den Großkanzler: ״Hier ist es mir zu toll mit allen Juden. Will ich einen Chirurgen haben, kommt ein Jude, einen Tischler — ein Jude, Schlächter, Bäcker, Juden, alle möglichen Handwerker, sind Juden.“ Diese jüdischen Handwerker ersetzte man durch christliche. Aus den jüdischen Handwerkern wurden Betteljuden, die man dann ausweisen konnte. (Jüdische Familienforschung 1926, S. 185.) 1844 gab es im Königreich Polen Glasfabrikanten und 25 000 Handwerker, die 90 000 Menschen beschäftigten (u. a. Schmiede, Dachdecker, Kohlenbrenner, Glaser), vgl. Pinner 204. Die ״Nowoja Wrenaja“ schreibt im Jahre 1901 über die Wilnaer Juden: ״Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung in Wilna besteht aus Proletariern. Alle groben Arbeiten werden von den Juden ausgeführt, die ebenso Sträßenpf lästere! wie Steinträger sind. Droschkenkutscher und Fuhrleute sind zum Teile auch Juden. Schornsteinfeger sind ausschließlich Juden. Ferner gibt es eine Menge jüdischer 1 Handwerker finden wir im Badensischen {Ad. Lewin, Gesch. d. bad. Juden, S. 156) u. a. in der durch Beethovens Biographen allgemeiner bekannt gewordenen, zum Teil nach Wien übersiedelten Familie Eppinger. {In dem Bericht eines Wiener Beamten aus dem Jahre 1790, bei Pribram, Urkunden 595, heißt es: ,,Was die Künste betrifft, so zeichnen sich die Söhne des Juden Philipp Abraham, ein Graveur, der eine in Stahl- und der andere in Steinarbeiten ׳und Antiquaschneiden, dann der Sohn des Josef Eppinger in der Music gründlich aus.“ Nach Dr. Heinrich — daselbst 607 —, der über diese Personen Näheres beibringt, war dieser Musiker Heinrich Naftali Herz-Eppinger fürstlicher Kapellmeister, gestorben 1823; in ihm entdecken wir den mit Beethoven befreundeten Geiger :Eppinger, nach dem wiederholt geforscht wurde.) — Ed. Süß erzählt.in seinen ״Erinnerungen“ S. 137 von einem jüd. Schlosser, ,,jetzt Besitzer einer angesehenen“ Maschinenfabrik in Budapest. Ueber -den ersten;jüd. Schlossermeister in Oest.-Ung. s. m. ״Die Feldzüge Napoleons“. 2 Ueber ihn vgl. Wolf-Salomon, Der Charakter des Judentums S. 81.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.