Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 414

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Jüdische Handwerker aus älterer Zeit
Date
1930-01-01
Page
Seite 414 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829974-2836507--50101-2836566
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

414 in der man die älteste der dortigen Synagogen (entfernt vom Judenviertel) entdeckt zu 'haben glaubt, scheinen, nach dem Namen zu schließen, jüd. Drechsler gewohnt zu haben. In Sizilien beschweren sich die christlichen Nachbarn über das Getöse, das die jüdischen Handwerker bei ihrer Arbeit verursachten. Gegen die Vertreibung der Juden wehren sich aber die Behörden, weil sie das Land aller Handwerker berauben würde. (Güdemann, Erziehungsw. II S. 287, vgl. 239, 249, 312, III 169 ff., 176 f.) Als Seidenerzeuger (vgl. Jahrb. f. jüd. Volksk. I 402) sei auch die Familie Grassini in Conegliano erwähnt, der am 31. Mai 1697 vom dortigen Magistrat eine entsprechende Licenz (Privatarchiv Grassini-Morpurgo in Padua) erteilt wurde. Ueber die Meyersche Seidenfabrik, die -erste in Deutschland, vgl. Pinner, Sendschr. S. 44. In Deutschland, Nordfrankreich und sonst überall, wo die Zünfte herrschten, wurden seit ihrem Erstarken die Juden aus dem Handwerk verdrängt1. Man gab ihnen bestenfalls diejenigen Gewerbe frei, die mit der Ausübung ihrer Religion zusammenhingen, und auch diese nur für die Bedürfnisse ihrer Gemeinde. So begegnen uns jüdische Fleischer, Bäcker, Schneider, Schuster, Mützenrnacher, hier und da auch schon im Mittelalter jüd. Buchbinder. In Prag sowie in Krakau und anderen Städten des Ostens finden wir sogar jüdische Zünfte. Noch im 19. Jahrhundert wurde eine solche in Miskolc (Ungarn) gegründet. Aus dem Hamburger jüdischen Zigarrenmacherverein ist ein Wohltätigkeitsverein geworden (Haarbleicher, Zwei Epochen 310). Jüd. Handwerker in Parma 1848 bei M. Pinner, Offenes Sendschreiben (Berlin 1848) S. 131. Der Kampf der deutschen Juden um die bürgerliche Gleich- Stellung hatte auch die Zulassung der Juden zum Handwerk zum Ziele . . . ,,Wie gern“, klagen die Juden Sulzbürgs in einer Immediateingabe an die Landesregierung, ״würden wir unsere Kinder zu guten Handwerkern erziehen, wenn einmal die politische Scheidewand niedexgerissen ist“ (Weinberg, Sulzbürg 21). Wie diese Petition von Christen unterstützt wurde, so forderte auch Ch. W. Dohm (Ueber die bürgerl. Verfassung der Juden .284) öffentlich die Zulassung der Juden zum Handwerk, da doch selbst die Zigeuner durch ein Kur- Braunschweigisches Edikt von 1712 der Handwerkszünfte fähig erklärt worden seien. Mit dem Toleranzedikt Josefs II. änderte sich endlich dieser unleidliche״ Zustand. In der ״Gesetzsammlung für die Judenschaft in den k. k. Staaten“ (hrsg. von A. v. Gramer) 1798 finden sich (S. 120 ff,) Bestimmungen, die schon früher die jüdische Schneiderei (i. J. 1772) zulassen. ,,Den jüdischen Goldschmieden in Prag und anderen Städten wird, ohne Aufnahme eines Lehr jungen, ihre Profession fortzusetzen erlaubt“ (1775). In vielen Gemeinden entstanden Vereine zur Förderung des jüdischen Handwerks, 1812 zählte man in Prag 400 jüd. Handwerker (Pinner 111). In kurzem 1 Bei den deutschen Weißgerbern wurde der Lehrjunge vor der Aufnahme ״Jude“, weil noch tauf bedürftig, ־genannt (vgl. Otto, das deutsche Handwerk S. 125, das. auch über die Polle-des Königs David im Zunftleben). Ueber jüd. Zünfte vgl. Balaban, Die Judenstadt von Lublin 63 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.