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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 6 · p. Seite 408

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 6
Article
Die Stellung Mendelssohns zur christlichen Umwelt
Date
1930-01-01
Page
Seite 408 (sequence 8)
Language
German
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408■ vorausschicken, daß wir zumeist von dem ausgehen, was Rawidowicz bereits in seiner Einleitung quellengeschichtlich geklärt bzw. durch religionsvergleichende Gegenüberstellungen angedeutet hat. Vorausschicken möchte ich noch, daß Lavater seinem Fachwissen nach nicht der Mann war, der aus eigenen Kräften eine ernstliche Disputation hätte durchführen können. Er mag in seiner eigenen Religion gute Kenntnisse besessen haben, darüber hinaus ging sein Wissen nicht. Im ganzen Kampfe ist keine Episode bemerkbar, in der L. auf das Gebiet der jüdischen Theologie getreten und den Versuch gewagt hätte, das Judentum auf eigenem Boden zu bekämpfen. Auch darin weicht er von allen seinen mittelalterlichen Vorgängern ab. Die Dominikaner haben ihre Diskussionskämpfer wohl aus.der Reihe ihres Ordens ausgesucht, aber sie waren so vorsichtig/einen in den Orden aufgenommenen getauften Juden vor die Schranken zu stellen, einen Mann also, der beides verstand: die jüdische und die christliche Lehre. L. machte es sich viel bequemer: er nahm Bonnets neues Buch, übersetzte es ins deutsche. Er ist also schriftstellerisch nicht einmal in seinem eigenen Religions- Schrifttum hervorgetreten. Alles, was er leistete, war die Abfassung einer kurzen Zueignungsschrift, die in die Bitte (besser Aufforderung) ausklang: Können Sie Bonnets Schrift widerlegen, tuen Sie es, und zwar öffentlich; finden Sie sie aber richtig, nun tun Sie,;,was Klugheit, Wahrheitsliebe usw. Sie tun heißen“. Dieser Schritt ist entweder von der Kühnheit eines Unwissenden, oder von dem überheblichen Bewußtsein geleitet, daß der Jude, auch in einer freundschaftlichen Religionsdisputation, sich auf gleiche Ebene mit seinem Kämpfer nicht stellen dürfe. — Wie leicht wäre es M.'gewesen, durch ein gleiches Verfahren, L. an die Wand zu drücken. Schon der ,,Chizzuk emuna“ von Isaak ben Abraham Troki, also von einem Karaiten, der zum Kreise der Judenheit Mendelssohns gar nicht gehört, und auf rabbanitischein Standpunkte nicht steht, würde zu diesem Zweck ausgereicht haben. Das Buch nach einem kritisch richtiggestellten Texte mit einer guten deutschen Ueber- Setzung und mit derselben Zueignung — bis auf den Namenswechsel — versehen, müßte einen L.— sachlich wenigstens — in unentwirrbare Verlegenheiten gebracht haben. Und M. hätte es sich noch leichter machen können — wenigstens nach dem, was der Berliner Prediger F. G. Lüdke, ein Freund Lavaters, gesagt hat — durch die Erwiderung, daß die Zeit für eine Auseinandersetzung über Judentum und Christentum nicht reif genug sei. Was hätte man Mendelssohn antworten können, wenn er gefragt hätte, was eigentlich seine Gegner unter Christentum verstünden, welches Christentum er anerkennen solle? (S. XXVII). Aus dieser Gegebenheit folgt von selbst, daß im Mittelpunkte des Kampfes die christliche Dogmenlehre gestanden hat. Es ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten einzugehen. Wir müssen uns mit einem Beispiele begnügen. Die Stellung der Juden zu Jesus schien den Schwerpunkt des Kampfes gebildet zu haben. Lavater berichtet von Mendelssohn, ״daß er von den Schmähungen der Juden gegen Jesus sehr entfernt ist ... und Jesus hochschätzt, obwohl er einen geistigen Messias erwartet“. (R, S. XLVI). Dies haf M, in Wirk-

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