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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 389

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Der Estherstoff in der jüdischen Illustration
Date
1930-01-01
Page
Seite 389 (sequence 9)
Language
German
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389 Eine aus" dem späten 18. Jlit., technisch schlecht ansgeführte, aber ikonographisch bemerkenswerte Variante der Aron-Hirsch- Rolle bietet die dritte Rolle der Berliner Kunstsammlung, die sich durch ovale Medaillons mit Halbfiguren der Helden der Esthergeschichte im oberen Feld, sowie die Darstellung von Haman, Seresclr, Mordechai, Esther und Charbona am Ende der Rolle unterscheidet. Diese Darstellung unter dem finalen Segensspruch ist sehr eigenartig. Die fünf Gestalten stehen in einer Reihe, jede ein ovales Schild haltend, worauf die Verfluchungen für die beiden ersten und die Segnungen für die letzten zu lesen sind. Ein Exemplar dieser Rolle, bzw. ein Blatt mit dieser Darstellung besitzt das Berson- Museum in Warschau. Die Esther-Rolle im Besitz von Ad. Strauß in Budapest (Abb. in Mult-es-Jövo, 1929), die, nach der Mitteilung des Besitzers, aus Hamadan, in Persien, stammt, ist, wie ich feststellen konnte, eine vergröberte Nachahmung der dritten Rolle der Berliner Sammlung. Durch die ungeheure Verbreitung des Kupferstiches im 17. und 18. Jht. konnten einige wenige Vorlagen genügen, um eine Menge Varianten hervorzurufen. Die kompilierten Mischtypen zu analysieren wäre eine besondere Aufgabe. Im 19. Jht. führt die illustrierte Estherrolle nur noch ein küxnmerliches Dasein. Der im Mittelalter geschaffene Darstellungskreis verschwindet in der Renaissance mit der Verdrängung der handgemalten Illustration aus den Estherrollen. Erst langsam wurde er zu neuem Leben erweckt. Die Rollen der Renaissance weisen hauptsächlich Rahmendekoration auf. Im 17. und im 18. Jht., unter dem Einfluß der großen Kunst, die den Estherstoff kultivierte, und mit der Heranbildung von geschickten Stechern, die Gemälde kopieren, sind neue Bilderfolgen entstanden, die große Verbreitung bis weit nach Osten gefunden haben. Es sei noch auf die interessante soeben erschienene Schrift von Dr. Siegfried S i 1 b e r s t e i n über ,,Eine in Kupfer gestochene Estherrolle aus der Universitätsbibliothek zu Rostock“ mit Wiedergabe der Handschrift in Originalgröße1 hingewiesen. Die Rolle ist eine vergröberte und erweiterte Spielart des von mir als ,,Rolle mit den Hermen“ bezeichneten Typs. Es ist das eine volkskunstmäßige Fassung mit hebräischen Beischriften der Bilder. Illustration und Dekor befinden sich hier im Zustand der Auflösung, einzelne Bilder sind in ihre Bestandteile zerfallen, die Behandlung ist summarisch; die Gliederung der Bilder entspricht nicht mehr der architektonischen Aufteilung der Rahmenkomposition u. a. Daß der Text dieser Rolle gestochen, nicht geschrieben ist, findet seine Parallele in der sog 3. Rolle der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin, wo allerdings nur die Spalte mit den Namen der Söhne des Haman gestochen ist. Wie Dr. Silbers tein im Textteil mitteilt, stammt die Rostocker Rolle aus dem Nachlaß von O. G. Tychsen, auf dessen Bedeutung 1 Karl Hinstorffs Verlag, Rostock. Ausgabe A, Buchmappe, Mk. 20, יי־׳י Ausgabe B, Rolle und Text gesondert, gbd Mk. 25.—.

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