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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 387

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Der Estherstoff in der jüdischen Illustration
Date
1930-01-01
Page
Seite 387 (sequence 7)
Language
German
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387 künde 1905, Heft 15, Nachtrag, eine Rolle des Salom Italia, die 1885 bei Joachimsthal in Amsterdam versteigert wurde. Diese Rolle war mit einer hebräischen Nachschrift versehen: Ich habe es gezeichnet und gemacht, Schalom, Sohn des seligen Mordechai clTtalia, hier in Amsterdam, am 9. des Monats Adar, 1660 (von anderen fälschlich als 1694 gelesen). Wolf vermerkt, daß die Rolle in ,,zierlicher Quadrata“ geschrieben und mit zirka 40 Federzeichnungen geschmückt ist. Es handelt sich hier offenbar um eine zweite Rolle, denn die erste, die wir kennen, ist in Kupfer gestochen und ist vor allem mit Bildern sehr knapp ausgestattet. Sowohl das Exemplar der Berl. Gemeinde, als auch das von Cincinnati, erweisen sich als nichts anderes als Stiche nach der Howitt-Rolle. Die Howitt-Rolle ist, soweit , aus der mir zur Verfügung stehenden Photographie zu ersehen, eine lavierte Zeichnung, wir wissen nicht, von wem sie herrührt, nehmen an, daß sie in Italien entstanden ist. Das Datum 1637 läßt es als glaubwürdig erscheinen, daß Salom Italia sie als Vorlage für seine Kupferplatte benutzte. Seine Rolle unterscheidet sich von der Howitt-Rolle durch das Fehlen der unteren Miniaturbilder. Die Schriftkolumnen reichen in seiner Rolle bis an den unteren Rand der Portalrahmung, sonst ist sein Stich als ziemlich getreue Kopie anzusehen, wenn auch die Arbeit im Vergleich zu den Bildnissen von 1641 und 1642 als weniger gepflegt zu bezeichnen ist. Es wäre von höchstem Interesse, die zweite Rolle des Salom Italia aufzufinden. Vielleicht ist sie unter der Gruppe von Estherrollen zu suchen, die mit Tusche gezeichnet, ebenfalls die Stand:־ bilder zwischen den Kolumnen aufweisen und außerdem kleine Bilder in der oberen und der unteren Zone zeigen, die die Esthergeschichte illustrieren. Es gibt mehrere Varianten von dieser Art. Das in der Howitt-Rolle geschaffene Vorbild wird nun weiter ausgebaut. Die Rolle von David Kaufmann, jetzt in der Akademie der Wissenschaften, Budapest, bezeichnet die nächste Etappe. Die architektonische Anlage bleibt im großen und ganzen dieselbe, jedoch wird die Dekoration in viel stärkerem Maße mit dem Estherstoff durchdrungen. Sogar der figürliche allegorische Schmuck wird mit dem Text in Verbindung gebracht und, anstatt der sich wiederholenden, stets gleichen palmentragenden Frauengestalten der Howitt-Rolle, sehen wir hier in der oberen Zone der Rahmungen Musen und Göttinnen mit den verschiedenen auf die Handlung anspielenden Attributen den Text als Stimmungsillustration begleiten. Mit ihnen abwechselnd erblicken wir Schilder mit zum Text passenden Bibelversen. In der unteren Zone aber entfaltet sich ein vollständiger Zyklus von Estherbildern, wobei die Dar- Stellungen der Purimfeier nicht fehlen. (Abb. in Mult-es-Jövo, 1916, S. 88 ff.) Eine jüngere Variante, die den Uebergang vom Barock zum Rokoko kennzeichnet, findet man in der von Frauberger auf fig. 19 (op. eit.) abgebildeten Rolle. Hier haben wir noch die Standbilder zwischen den Kolumnen, wie in der Rolle von 1637, auch die Musen über den Portalen und die Szenenfolgen in der unteren Zone. Genre- 25*

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