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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 386

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Der Estherstoff in der jüdischen Illustration
Date
1930-01-01
Page
Seite 386 (sequence 6)
Language
German
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386 das Vorlesen der Chronik 11. v. a. Sie sind uns nur in der christlichen Handschriftenillustration erhalten. Jedoch berechtigt uns zu der An״ nähme, daß es auch einen bei den Juden gepflegten Illustrationszyklus des Estherstoffes gab, die Tatsache, daß die Rolle auch spezifisch jüdische Bilder aufweist, Bilder, die sich auf die Purimfeier und die Purimbräuche beziehen. Das Freudenmahl der Juden, das Almosenspenden, das Gabenverteilen und die Purimspieler dürften in der christlichen Illustration wohl kaum zu finden sein. Die Einführung des Bilddruckes scheint vorerst in der Erzeugung illustrierter Rollen eine Stagnation hervorgerufen zu haben- Vieles mag aber verloren gegangen sein, jedenfalls sind die aus dem 16. Jht. stammenden Rollen mit schön gezeichneter Renaissanceornamentik ausgestattet, haben aber keinen Schmuck. Von den illustrierten Rollen, die Frauberger dem 16. Jht. zuweist, kann ich keine einzige dieser Zeit zusprechen, sie gehören dem 17. Jahrhundert. Die Epoche des Barock und die des Rokoko haben für den Estherstoff eine besondere Vorliebe. Die Krönung der Esther oder die Fürbitte der Esther vor dem König, Szenen, die Entfaltung höfischen Prunkes, aber auch Gestaltung starker seelischer Regungen ermöglichen, reizen die Künstler. In der ältesten datierten Rolle dieser Zeit, der Estherrolle der Sammlung Howitt, Richmond (Abb. in meinem Aufsatz Estherrolle in der Kunst, Encyclopaedia Judaica, VI, Fig. 1), sehen wir bereits eine üppige Barockarchitektur als Rahmung der Kolumnen und zwischen den Schriftportalen, in Nischen, in Form von monumentalen Standbildern die Helden der Esthererzählung, Esther, den König, Mordechai und Haman, sich in der gleichen Reihenfolge wiederholend. Ob in den Miniaturbildchen im unteren Rahmenfeld figürliche Szenen oder bloß Landschafts״ und Architekturveduten enthalten sind, konnte auf Grund der vom Besitzer zur Verfügung gestellten kleinen Aufnahme nicht festgestellt werden. In der oberen Zone, auf den Giebeln der Portale sind zwar figürliche Darstellungen zu sehen, aber es sind das gleichgültige palmentragende Frauengestalten, die keine nähere Beziehung zum Text aufweisen. Die Rolle ist nach der Lesung von Jehoschua Gutmann 1637 datiert und dürfte in Italien entstanden sein. Weiter wäre die bekannte Estherrolle des Salom Italia, eines aus Italien stammenden, in Amsterdam lebenden Künstlers zu nennen. Ein Exemplar von ihr besitzt die Kunstsammlung der Jüd. Gemeinde Berlin. (Im Aufsatz von Dr. M. Stern, Illustrierte Estherrollen, Gemeindeblatt, Berlin, 1929, März abgebildet.) Ein anderes, früher bei Kirschstein, ist in den Besitz des Hebrew Union College, Cincinnati, übergegangen (abgebildet bei S. Kirschstein, Jüdische Graphiker). Die Abbildung bei Frauberger, Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler, V/VI, fig. 13, ist fälschlich als spanisch, 16. Jht., bezeichnet. Stiche des Salom Italia sind bekannt. Da ist das 1641 datierte Bildnis des Jacobo Jehuda Leone, das 1642 datierte ebenfalls gestochene Bildnis des Menasseh ben Israel, um nur von den datierten und signierten Arbeiten des Künstlers zu sprechen (Abb. bei Kirschstein, op. cit). Albert Wolf erwähnt in Mitteilungen für Jüd. Volks-

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