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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Der Estherstoff in der jüdischen Illustration
Date
1930-01-01
Page
Seite 384 (sequence 4)
Language
German
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384 Kastilische übersetzt und mit Kommentaren versehen worden ist1. Diese ,,historierte“, d. h. illustrierte Bibel ist nicht mit den üblichen Bibles historiees und Bibles moralisees zu vergleichen, mit etwa der französischen Bible moralisee des 13. Jhts., die (1911—27) von de Laborde herausgegeben wurde. Dort ist der gesamte Bibelstoff vom Gesichtspunkt der kirchlichen Frömmigkeit umgemodelt, so daß. die ausgesprochen weltliche Fabel der Esthergeschicbte ihres Charakters vollständig beraubt erscheint. Die Bestrafung vollzieht sich in der bible moralisee in durchaus kirchlichen Formen: Die Frevler werden von der Hölle, die als Rachen eines Ungetüms gesehen ist, verschlungen, gehörnte Teufel treiben ihr Spiel. Daß der Galgen die Form einer Guillotine hat, ist wohl auf Beobachtungen der Wirklichkeit zurückzuführen. Die Auffassung der Illuminierer der von Arragel übersetzten Bibel der Casa Alba in Madrid (Biblia de la Casa de Alba, hrsg. 1920—22), ist demgegenüber nicht als eindeutig kirchlich zu bezeichnen. Im kirchlichen Sinne gedeutet ist in der Illustration des Estherbuches vielleicht der Tod der Königin Waschti. Die nackte Frau liegt blutüberströmt auf dem Boden, ein Teufel und ein Engel stehen neben ihr, sie ist schrecklich anzusehen, einen Schwanz hat sie, von der Stirn hängt ihr ein anderer Schwanz herunter. Die Bilder des Estherbuches beginnen mit einer glänzenden Hofszene — der Krönung Esthers durch den König. In dem nächsten Bilde diktiert der König das Edikt von der Absetzung der Königin. Weiter hängen die beiden Verschwörer am Galgen. Dann kommt die Gastmahlszene, in der die tote Waschti zwischen den beiden Tafeln, der Königstafel und der Frauentafel, am Boden liegt. Der König schickt Eilboten aus. Esther, als Fürbitterin, wird vom königlichen Szepter berührt. Der König im Bett hört die Chronik an, während ein Engel auf eine bestimmte Stelle darin hinweist und Mordechai aus einem Portal hervortritt; Trabanten posaunen, weiter rechts steigt Mordechai aufs Pferd und setzt dabei den Fuß auf den bäuchlings liegenden Haman. — (Ein uns bereits vertrauter Zug; übrigens schüttet die Tochter Hamans einen Kübel auf ihren Vater aus, eine Episode, die uns ebenfalls bekannt ist.) Im nächsten Bild sieht man den König schlafend, Mordechai rechts, Haman links von ihm stehend, weiter rechts den Haman auf dem Galgen. Auf einem anderen Bild sitzt der König und umarmt den knienden Mordechai, während Esther dabei steht. Ein Bild ist den zehn Söhnen auf dem Galgen gewidmet. Das letzte Bild stellt Esther thronend dar, rechts diktiert Mordechai, sich zur Königin wendend, einem Schreiber in eine ungewöhnlich große Rolle in Hochformat, svie sie für Urkunden und Episteln gebraucht werden, die Botschaft an die Juden. Die Alba-Bibel bietet manche Aehnlichkeit mit der jüdischen Illustration, sie benutzt, wie wir gesehen haben, Darstellungsmotive der jüdischen literarischen Ueberlieferung. Abgesehen davon, daß es zu untersuchen wäre, ob diese nicht auch durch christliche Kanäle 1 S. Berger, Les Bibles Castillanes, Romania, 1899, 28. Jahrgang; Rachel Vishnitzer, Illuminated Haggadahs, Jewish Quaterly Review, Bd. XIII, 1922•

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