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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Der Estherstoff in der jüdischen Illustration
Date
1930-01-01
Page
Seite 383 (sequence 3)
Language
German
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383 Der Heranziehung von Fabeltieren zur Illustration mögen im Mittelalter die verschiedensten Motive zugrunde gelegen haben. Wir sehen in christlichen Psaltern Tiere an Stelle von Priestern die Messe zelebrieren, musizieren; die Juden hatten für den manchmal sarkastischen Humor, der sich dieser Tiersymbolik bediente, einen ausgesprochenen Sinn, vielleicht aber ist hier auch ein gewisser Atavismus zu verzeichnen, denn die humoristische Behandlung des Tieres entspricht einer späteren überlegenen Haltung. Ursprünglich empfindet der Mensch Scheu vor dem Tiere. Im Machsor von Hammelsburg haben nicht bloß die Bösewichter Tierköpfe, sondern auch der Hohepriester, der den Leuchter anzündet. Im Machsor der Bodleiana, 2373, Laud. Or. 321 (Abb. in meinem Aufsatz Die Machsorillustration, Gemeindeblatt, Berlin, 1924, wo die Titel der Bilder vertauscht sind) haben Moses und Aron in der Gesetzesempfangsszene Tierköpfe. In der Krakauer Bibel hat der Engel in der Szene der Opferung Isaaks einen Adlerkopf, der dem Symbol des Evangelisten nachgeahmt zu sein scheint. Die Tiersymbole für die Evangelisten weisen ja darauf hin, daß auch bei den Christen im Mittelalter Spuren der Tierverehrung noch zu finden sind. Dem dürfte die Darstellung des Teufels mit einer Tierfratze nicht widersprechen. Die Bilder, die wir in den erwähnten Bibeln, Gebetbüchern, Osterliturgien gefunden haben, behandeln immer nur einige wenige Momente des Estherdramas. Wir sehen den König und Esther entweder beide thronend, oder Esther vor dem König als Fürbitterin, oder Esther mit ihren Frauen, ferner den Triumph des Mordechai, der von Haman auf königlichem Pferd geführt wird, sowie den Mordechai im Lehrhaus und zuletzt die Galgenszenen. Dies ist wenig, wenn wir berücksichtigen, daß in den literarischen Quellen von einem ganzen Bilderzyklus die Rede ist. In Schocher Tov> Kap. 22 werden folgende Szenen aufgezählt: Mordechai in den Toren des königlichen Palastes. — Esther als Königin. — Schlaflosigkeit des Königs und Vorlesen der Chronik. — Mordechai im Königskleid und auf königlichem Pferd, das von Haman am Zaume geführt wird. — Haman auf dem Galgen. — Das Gegendekret des Achaschwerosch. — Mordechai nach der Audienz beim König im Königsgewand erscheinend. — Bei den Juden war Licht. Leuten, die so den Stoff zu zergliedern wußten, schwebte entschieden eine Bilderfolge vor. Jedenfalls erhalten die Künstler bereits ein fertiges Bilderschema. Man müßte sich wundern, wenn die Juden, die in der Haggadah im Mittelalter verschiedene Bilderzyklen schaffen konnten, es nicht auch in der Estherrolle versucht hätten. Es ist vor kurzem eine Estherrolle entdeckt worden, die nach dem Stile ihrer Illustration und Dekoration zu urteilen, auf eine bestimmte Gruppe spätmittelalterlicher Haggadahhandschriften zurückgeht. Es ist das die Estherrolle der Sammlung von Herrn Sally Kirschstein, Berlin. Die Rolle weist 35 Szenen auf und ist ein wahres Kompendium der Estherillustration. Bevor wir uns der Estherrollenillustration zuwenden, sei noch eine Bibel genannt, die, obwohl ihrer Bestimmung nach christlich, von einem Juden, dem Rabbi Moses Arragel, kompiliert bzw. ins

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