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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 361 (sequence 17)
Language
German
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361 geblieben ist1, vom Talmud zum Zeitgenossen des Rabbi Simeon ben Lakisch erklärt, der Schwager und Zeitgenosse des Rabbi Jochanan ben Nappacha war. Allerdings konnte als Jerusalemer auch, jemand angesehen werden, wenn lediglich seine Urväter aus Jerusalem stammten. So bezeichnen sich z. B. die Abkömmlinge einer Familie, die in vorhadrianischer Zeit in Jerusalem ansässig war, und die sich noch gegen Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts in Galiläa als eigene Landsmannschaft erhielt, wie Büchler nachgewiesen hat, als 2קהלא קדישא שבירושלים. Und im Namen der Männer Jerusalems sprach im dritten Jahrhundert ebenso wie Rabbi Jochanan auch Rabbi Josua ben Levi3 Indes ist es undenkbar, daß ein Rabbi Jochanan, der Kriegserinnerungen der Jerusalemer mitteilt, um zwei Jahrhunderte nach dem Kriege lebt, und ebenso undenkbar, daß Rabbi'Jochanan b. Nappacha von einem Athener in Jerusalem besucht wird. Die Verwechslung zweier Autoren aus verschiedenen Zeiten ist im Talmud nicht ohne Beispiele. Harkavy wies nach, daß bei den alten Rabbinen im Midrasch der vormakkabäische Autor Eleasar ben Irai, dessen Schriften noch Saadja Gaon kannte, mit dem Amoräer des dritten nachchristlichen Jahrhunderts, R. Eleasar verwechselt wurde. Diesem wird ein Ausspruch zugeschrieben, der von jenem herrührte4. Das .gleiche gilt für ,,Rabbi Elieser ben Jakob“; von den zwei Trägern dieses Namens wirkte der eine zur Zeit Rabbi Jochanans ben Sakkai, während der andere Zeitgenosse und Schüler des Rabbi Akiba war5 Uebrigens war die Verwechslung von Personen gleichen Namens auch bei den alten Hellenen, die wie die alten Hebräer keine Familiennamen kannten, häufig. Schon in der Antike wurden sie und die aus ihr folgenden Unzuträglichkeiten bemerkt. So berichtet der Historiker der griechischen Philosophie Diogenes Laertius von einem Autor Demetrios, der es für nötig fand, ein besonderes Buch über die homonymen, d. h. den identischen Namen besitzenden Poeten und Literaten zu schreiben6. Diogenes Laertius führt selbst verschiedene Beispiele gleichnamiger Persönlichkeiten aus verschiedenen Zeiten an7. Rabbi Jochanan, der Mystiker, nimmt im Talmud eine einzigartige Stellung ein nicht nur wegen der angeführten apokalyptischen Aeußerungen, die zumeist ohne Parallele im altrabbinischen Schrifttum dastehen, sondern auch wegen mancher seiner sonstigen Sentenzen. So kennt er als einziger im Talmud die Erbsünde, die er aber materiell auffaßt, indem er sie im Samen der Schlange lokalisiert, die mit Eva sexuell verkehrte. Als Folge der Erbsünde'ist der körperliche 1 Baba Mezia 83a. 2 Büchler, DieSPriester und der Kultus im letzten Jahrzehnt des jüdischen Tempels, Wien 1895. 3 Pesachim 113; ebenso Rabbi Josia, Sota 28. 4 Harkawy, Leben und Werke Saadja Gaons I 13. 5 Hebrew Encyclopaedia I 30, ed. Eisenstein. 6 Diogenes Laertius I 10. 7 Ib. II 1, II 3, II 5, III Ende, VI.

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