Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 16)
- Language
- German
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Rabbi Jochanan Hasandlar; ein dritter, der berühmteste von ihnen, der zumeist nur als Rabbi Jochanan zitiert wird, Rabbi Jochanan ben Nappacha starb im Jahre 279. Auch Jochanan ben Thorta (2. Jht.), der immer ohne den Titel Rabbi erscheint, könnte hier genannt werden. Aber keiner von diesen Jochanans ist als Mystiker bekannt. Rabbi Jochanan ben Nappacha ist dazu noch aus chronologischen Gründen auszuschließen. Zu seinen Lebzeiten war die Johannesapokalypse schon längst als christliches Buch vorhanden und von den Juden ins Lager der Neutestamentler übergegangen. Allerdings bleibt noch die Möglichkeit, daß der Rabbi Jochanan, der die apokalyptischen Aussprüche im Talmud hinterließ, ein sonst unbekannter Rabbi des 1. nachchristlichen Jahrhunderts gewesen ist. Z. B. könnte man an einen Essäer namens Jochanan denken, den Josephus als Feldherr erwähnt1 indes ist es höchst wahrscheinlich, daß der Verfasser der Urapokalypse und der Trade nt der parallelen apokalyptischen Aussprüche im Talmud trotz des Titels Rabbi mit Rabban Jochanan identisch ist. Der Talmud verstand zuweilen, w^e es an einer Stelle2 betont wird, unter ,,Rabbi Jochanan" Rabban Jochanan ben Sakkai. Die spätere Tradition verwechselte dann den Mystiker Rabban Jochanan mit Rabbi Jochanan ben Nappacha, dem um zwei Jahrhunderte jüngeren Gesetzeslehrer, schrieb ihm die apokalyptischen Aussprüche zu und machte zu Gewährsmännern, dieser Sätze Chija und Samuel bar Nachmeni, die Schüler des Jochanan bar Nappacha waren. Daß die Tradition diese Verwechselung vorgenommen hat, wird auch an anderen Stellen des Talmuds deutlich. Mehrfach finden wir Aussprüche im Namen des ,,Rabbi Jochanan“ (bar Nappacha), die ganz so lauten, als wenn sie von einem herrühren, der in Jerusalem gelebt hat. Das kann nun für ben Nappacha keinesfalls gelten. Denn zu seiner Zeit war noch, das hadrianische Verbot in Kraft, das den Juden den Aufenthalt in Jerusalem untersagte. Obendrein war Jochanan ben Nappacha kein Judäer, sondern aus Sephoris in Galiläa und lebte später in Tiberias. Wenn daher im Talmud Rabbi Jochanan im Namen der Männer Jerusalems Erldärungen darüber abgibt, wie man sich im Kriege verhalten soll3, so kommt ben Nappacha nicht als Autor in Betracht; wohl aber Jochanan ben Sakkai, der zu einer Zeit lebte, da die Einwohner von Jerusalem mit den Römern kämpften. Auch der Bericht über die Ursachen der Zerstörung Jerusalems wird im Talmud einem Rabbi Jochanan zugeschrieben4, unter dem wir zweifellos den Rabban Jochanan zu verstehen haben. Und wenn der Midrasch von einem Athener erzählt, der nach Jerusalem kam und Rabbi Jochanan besuchte5, so kann wiederum nur an ben Sakkai gedacht werden. Ein andermal wird — hier ist die Verwechselung ganz eigenartig — ,,Rabbi Jochanan", der von den Schönen Jerusalems allein zurück- 1 Bellum III 2V 2 Pesachim 113a. 3 Ib. 4 Gittin 56a. ' 5 Midrasch Threni Rafcba I 12.