Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 358

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 358 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829973-2836378--50016-2836450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

358 wird, so könnte ihr astronomischer Schmuck auch ein griechisches Vorbild gehabt haben. Man könnte etwa an den griechischen Philosophen Menedemos denken, der zirka 300 v. Chr. lebte, und von dem Diogenes Laertius (VI 102) berichtet, daß in seinen Hut die zwölf Tierkreiszeichen eingestickt waren. Indessen geht diese Ueberein־ Stimmung zwischen der Apokalypse und den griechischen Stücken nicht weit genug. Sonne und Mond fehlen und ebensowenig erscheint bei Menedemos das Erlösermotiv. Danach hat es mehr für sich, die astronomische Ausschmückung der Mutter des Heilandkindes auf eine Darstellung zu beziehen, die im Midrasch der zehn Märtyrer (Ozar Midraschim, Maase eser haruge malchuth 446) gegeben wird. Da heißt es vom Messias, der im Paradies seinen Sitz hat, daß er eine Krone trägt, in der die Sunne, der Mond und die zwölf Zodiakal- Zeichen fixiert sind. Andere Quellen belegen ebenso hier die jüdische Tradition. Joseph sah im Traume Sonne, Mond und elf Sterne, die sich vor ihm bückten. Bei Josephus lesen wir in den Antiquitates (III 7), daß die zwölf Edelsteine, die der jüdische Hohepriester im Ephod trug, ihr Vorbild in den zwölf Zodiakalzeichen besäßen. Allerdings, ausdrücklich wurden im Tempel zu Jerusalem die Tierkreiszeichen gemieden. Sie fehlten auf den Stickereien im Tempel, die den Himmel widergaben, wie uns Josephus mitteilt (Bellum III 5). Aber sie fanden doch in die allegorische Interpretation Eingang. Nach alledem kann es nicht zweifelhaft sein, daß der Verfasser des hebräischen Grundtextes der neutestamentlichen Apokalypse ein rabbinischer Jude war. Fragmente dieses Grundtextes, des Urjohannes, haben sich teils noch intakt, teils tendenziös modifiziert an verschiedenen Stellen des Talmuds bis heute erhalten. IV. Die meisten talmudischen Stellen, die zur Johannesapokalypse in Beziehung stehen, gehen auf Rabbi Jochanan zurück. Es liegt nahe, in ihm den Verfasser des Grundtextes der Apokalypse zu sehen. Es fragt sich nun, wer dieser Jochanan war. Die Antwort auf diese Frage wird uns erleichtert, wenn wir den Charakter der Aeußerungen Rabbi Jochanans und die Abfassungszeit der Apokalypse berücksichtigen. Ihr Autor muß ein Mystiker gewesen sein, der in frühchristlicher Zeit lebte. Um das Jahr 70 wirkte zuerst in Jerusalem, später in Jabne als Akademieoberhaupt Rabban Jochanan ben Sakkai. Er gilt im Talmud als Ahnherr der jüdischen Mystik, und es werden ihm ge־ heime Mirkabalehren zugeschrieben. Einmal bezeichnet Rabban Jochanan ben Sakkai im Talmud die Größe des Himmels, der Chaioth und des göttlichen Thrones mit überschwenglichen Worten. Eine andere Stelle gibt über sein mystisches Wirken Aufschluß. ,,Eine Geschichte von Rabban Jochanan b. S.: Rabban Jochanan b. S. ritt während einer Reise auf einem Esel und Rabbi Elasar ben Arach folgte ihm. Rabbi Elasar sagte zu seinem Lehrer: Rabbi lehre mich einen Abschnitt aus der Lehre über den himmlischen Wagen (Mirkaba).Da stieg Rabban Jochanan b. S. von seinem Esel, hüllte sich ein und setzte sich auf einen Stein hinter einen Olivenbaum,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.