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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 356

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 356 (sequence 12)
Language
German
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356 Sagen von Titus berichten. Wenn wir in der Apokalypse lesen, daß eins der Häupter des Tieres wie verwundet erscheint und später heilt (133), so erinnern wir uns an die rabbinische Sage von der Mücke, die durch die Nase Titus* in dessen Hirn drang und ihm dort große Beschwerden bereitete, bis er endlich auf den Gedanken kam, die Mücke durch den Lärm von Hammerschlägen aufzuschrecken, und sich so Ruhe verschaffte1. Das Tier lästert nach der Apokalypse Gott, seine Hütte und die Himmelsbewohner (136). Im Talmud wird von den furchtbaren Lästerungen Titus* erzählt. Er habe einer Prostituierten im Allerheiligsten auf Thorarollen liegend beigewohnt und mit einem Säbel den Vorhang durchstochen, wodurch er die Gottheit Israels getötet zu haben glaubte2. Das Feuer, das vom Himmel herabfällt (Apok. 1S13), bezieht sich möglicherweise auf den Vesuvausbruch, der in der Regierungszeit Titus im Jahre 79 erfolgte. Die Herrschaft des Tieres dauert 42 Monate, d. h. dreieinhalbes Jahr. Titus herrschte drei Jahre; allerdings keine vollen drei Jahre (79 Juni 23 bis 81 Oktober 13); doch diese Ungenauigkeit kann außer Betracht bleiben, da die jüdische Chronologie in solchen Fällen anders rechnete3. Nach rabbinischer Weisung wird einem König selbst־ ein Tag der Herrschaft vor Jahresende oder nach Jahres־׳ beginn für ein volles Jahr gezählt. Besteigt ein König den Thron am 29. Adar, so beginnt am 1. Nissan bereits sein zweites Regierungs- -jahr. Die drei Jahre des Titus, die sich so ergaben, wurden dann in 42 Wochen verwandelt, weil 42 symbolische Bedeutung hat. Es ist die Hälfte einer Jahreswoche. Außerdem ist dreieinhalb feststehende apokalyptische Zahl in jüdischen Eschatologien. In den Pirke Maschiach heißt es, daß ein frecher König böse Verordnungen dreieinhalb Jahre lang erlassen wird, es wird sehr schlecht sein; dann aber rafft sich Israel auf4. Dasselbe wiederholt auch die unter dem Namen eines Gebetes R. Simson ben Jochai bekannte Apokalypse5. Nach dem Midrasch Threni Rabba (I 5) belagert Vespasianus, der Vater von Titus, Jerusalem durch drei und ein halbes Jahr. Treffen diese Deutungen za, so enthüllen sich unschwer andere weniger zentrale Angaben der Apokalypse. Die apokalyptische Zahl des Tieres ist sechshundert sechzig und sechs (138). Damit stimmt der Zahlenwert des aramäischen Namens ״Titus der Bösewicht“ (טיטום רשיעא) überein. Zwar ergibt טיסוס דש״עא nur 665. Jedoch spricht dieses Manko nicht gegen unsere Deutung. Die Differenz um eins findet sich nicht selten in einer גיטטריא. Sie erklärt sich dadurch, daß die Gesamtheit der Buchstaben (der Kolel) als eins gewertet werden kann. Ein Beispiel für diese Zählweise bietet die Gleichsetzung des Buchstabenwertes von חטא und!אנו in den jüdischen Ritualschriften6. Renan hat den Versuch gemacht, die apokalyptische Zahl mit dem Zahlwert der hebräischen Worte ״Neron Kaisar“ gleichzusetzen 1 Gittin 56b. 2 Ib. 3 Rösch Haschahä 2h. 4 Ozar Midraschim, ed. Eisenstein 392. 5 Ib. 553; die Zahl 3% geht auf eine Stelle im Danielbuch zurück (72&). 6 Orach Chajim § 583, Glosse Isserles’.

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