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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 354

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 354 (sequence 10)
Language
German
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Kind entrückter Messias war Gegenstand des Glaubens in gewissen Kreisen des altrabbinischen Judentums. So erzählt der Midrasch Räbba zu Threni I, 16, daß am Tage der Zerstörung des Tempels der Messias in der Person Menacbems (= Tröster), des Sohnes des Hiskia, zu Beth-Araba bei Bethlehem ־geboren ward. Seine Mutter betrachtete ihn als Unglückskind und kaufte für ihn keine Leinwand. Dann kamen Winde und Stürme und trugen das Messiaskittd fort. Dieselbe Sage findet sich mit gewissen Varianten im Jerusalemischen Talmud (Berachoth I, 15). In der Einleitung zu Threni Rabba heißt es allgemein, daß der Tag der Zerstörung des Tempels kein Unglückstag war, da an ihm Menachem geboren wurde. Die Möglichkeit, daß der Messias bereits erschienen sei, nur wäre nicht bekannt, ־wo er sich befände, gibt Tryphon, der Jude, bei Justmos im Dialog c. VIII zu. In der Serübabelapokalypse heißt es, daß der Messias zur Zeit Nebukadnezars geboren wurde und ihn Winde wegtrugen und versteckten bis zur Endzeit (Ozar Midraschim 159). Auch die jüngeren, frühmittelalterlichen jüdischen Midraschim kennen den ins Paradies entrückten Messias. Der Messias sitzt im himmlischen Eden und leidet für Israel. Im Midrasch Konen (Ozar Midraschim 256 ed. Eisenstein) wird erzählt, wie der Erloser Israels, der Sohn Davids, im Paradies unter einem Baldachin aus Gold, Purpur und Libanonholz sitzt mit Ketten am Halse gefesselt. Wegen der Sünden Israels wird er gezüchtigt. Alle Ruhe- und Festtage kommen zu ihm, die Erzväter wie auch Moses und die Könige aus dem Hause David. Sie alle weinen mit ihm und trösten ihn: ״Leide die Strafe deines Herrn; denn das Ende naht, die Ketten an deinem Halse reißen und du wirst frei/' ,,Der Messias leidet in jeder Generation gemäß den Sünden der Generation", heißt es in der Pesiktha Rabbathi (פסקא ותאמר ציון). Noch Raschi fSanhedrin 98 a) glaubte, daß der Messias sich im Paradies befindet. Und auch Abraham ibn •Esra gedenkt des in der Gegenwart leidenden Messias (im Kommentar znm Hohenlied 7e). Andere meinten, der entrückte Messias leide in Rom (so Sanhedrin 98 a). Neben •dem Gedanken des leidenden Messias, wie er iro rabbinischen Judentum und in der Johannesapokalypse erscheint, mag die Gestalt des Antichrist, des Tieres der Apokalypse, bezeugen, daß der Verfasser dieses Buches ein rabbinischer Jude war. Die meisten Erklärer glauben, daß unter diesem Tiere, unter dem Antichrist, Nero zu verstehen sei. Wäre dies richtig, so könnte der Verfasser nur ein christusgläubiger Mensch gewesen sein. Denn Nero hatte für die rabbinischen Juden nichts Widergöttliches. Antim essianisches, er hinterließ bei den Talmudisten keine üble Erinnerung. Im Gegenteil, in bewußtem Widerspruch gegen das Christentum erklärt der Talmud, daß Nero, nachdem er die Siebenhügelstadt verlassen hatte, sich zum Judentum bekehrte1, und daß er Ahne jenes Rabbi Meir war, der im zweiten nachchristlichen Jahrhundert einer der bedeutendsten Rabbiner Palästinas war, der selber im Gerüche des Messianismus stand2 und 1 Gittin 56a. 2 Jer. Kethuboth XII 3.

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