Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
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352 die Zahl der Schüler der Weisen immer geringer; der Rest schmachtet in Trauer und Seufzen hin, viele Nöte und harte Regierungsverordnungen erscheinen, kaum ist die erste befohlen, eilt schon die zweite zu erscheinen.1 2 3״ Neben diesen Sätzen finden sich im Talmud noch andere apokaiyptische Aussprüche im Namen des Rabbi Joachanan, die in der Apokalypse des Neuen Testaments nicht Vorkommen, die aber höchstwahrscheinlich der hebräischen Vorlage, dem Urtext der christlichen johanneischen Schrift von der Weissagung der letzten Tage der Menschheit angehörten. So heißt es einmal: Rabbi Jochanan‘ sagt: ,,Der Heilige, sein Name sei gesegnet, wird einst die verwüsteten Häuser der Gerechten in ihren früheren Zustand zurückversetzen״ 2(אר״י עתיד הקב״ה להחזיר את בתיהם.של צדיקים׳(שנחרבו) לישובן). An einer anderen Stelle sagt Rabbi Jochanan: ,,Jede Tanne, die die Heiden von Jerusalem Wegnahmen, wird Gott einst zurückgeben״ 3(אר״י כל שטה ושטה שנטלוה עכום מירושלים עתיד הקב״ד, להחזירו). Daran schließt, sich der Passus: Rabbi Jochanan sagt: ״Der Sohn Davids kommt nur in einer Generation, die ganz sündenrein oder ganz schuldig ist“ (דוד בא אלא בדור שכולו ובאי או בולו ח״יב p 4 5 6(אר״י אין. Noch zwei Sätze Rabbi Jochanan seien erwähnt: ״Alle Propheten weissagten nur über die Zeit des Messias, aber das zukünftige Aeon sah kein Auge“ (אר״י כל הנביאים כולם לא נתנבאו אלא לימות המשיח 5(אבל לע״ל עין לא ראתה; und: ״Wer in diesem Aeon die Thora lernt, den läßt man auch im zukünftigen Aeon nicht schlafen, sondern man führt ihn in das Lehrhaus des Sem und des Eber, des Abraham, Isaak und Jakob, des Mose und Ahron“ (אר״י כל מי שהוא עוסק בתורה בעה״ו, אף לע״ל אין מניחין לו לישן ואלא מוליכין אותו לבית 6(מדרשו של שם ועבר, אברהם יצחק ויעקב ו 1 ל עשה ואהרן. 111. Wenn die Johannesapokalypse stellenweise mit dem Talmud übereinstimmt, erhebt sich die Frage, wer von beiden die Quelle des anderen ist. Ergibt sich notwendig die Priorität der Juden? Oder ist es möglich, daß die Juden aus einer christlichen Weissagung Stellen entlehnten und sie irrtümlicherweise einem Rabbi zuschrieben, der denselben Namen wie der christliche Apostel trug? Von vornherein ist es unwahrscheinlich, daß der Talmud mit seinem strengen, ritualistisch gebundenen Widerstande gegen alles Fremde, mit seiner starren grimmigen Ablehnung der Minäer, der Judenchristen, aus christlichen oder jadenchristlichen Visionsbüchern geschöpft hätte. Dagegen entbehrt das frühe Christentum, das eine sich erst kristallisierende labile Gemeinschaft darstellte, eine feste geschlossene kanonische Literatur. Hier konnte das Buch eines 1.Sanhedrin 98a. 2 Berachoth 57. 3 Roseh Baschana 23a. 4 Sanhedrin 98a, 99a. 5 »Sanhedrin 99a. 6 Midrasch Schir haschirim rabba VI.