Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
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351 gericlit der Menschheit des endenden Diesseits ein Gericht des Jahresabschnittes wurde. Dabei wurde aber, um doch der Eschatologie keinen Abbruch zu tun, der Ausspruch vom jüngsten Gerichte einem älteren Schulhause im apokalyptischen Sinne' untergeschoben. An anderen Stellen der Johannesapokalypse lassen sich weitere Parallelen zwischen ihr und den im Talmud mitgeteilten Aussprüchen des Rabbi Jochanan feststellen. Die Johannesapokalypse berichtet vom Tempel im Himmel, daß sich in ihm die Bundeslade befindet1. Aehnlich erklärt Rabbi Jochanan, daß die Bundeslade ewig bestellt2. Rabbi Jochanan ist der einzige im rabbinischen Schrifttum, der diese Ansicht vertritt. Ein Bach des Lebens erwähnt die Johannesapokalypse in 20ifl, während sie an einer anderen Stelle (5S) ein Buch anführt, das das erwürgte Lamm bekommt, was die Heiligen veranlaßt, ein neues Lied anzustimmen. Im Talmud findet sich ein Ausspruch Rabbi Jochanans: Der König Messias kommt nicht, bis nicht alle Seelen auf die Welt gelangt sind, deren Erschaffung ursprünglich geplant war; das sind die Seelen, die im Buche Adams des Ersten erwähnt werden3 4. Adam ist in der Mystik das Vorbild des Messias sowohl im alten Christentum als auch bei den Rabbinen. Das Buch Adams ist mystisch das Buch der Vollendung, dessen Ueberreichung an den Messias — das Lamm — die Vollendung des Schöpfungsplanes bedeutet. Es ist das Buch des Lebens, dessen Inhalt erschöpft wurde; sämtliche Seelen, die in ihm erwähnt werden, haben bereits das Tageslicht erblickt, die Zeit ist für den Erlöser reif. Die Uebergabe dieses Lebensbuches des Adam — Messias an das Lamm muß daher große Freude hervorrufen, Ein anderer merkwürdiger Ausspruch des Rabbi Jochanan im Talmud lautet: ,,Einst werden die Gerechten mit dem Namen des‘ Heiligen, sein Name sei gesegnet, benannt werden. Drei werden es sein, die den Namen Gottes tragen werden, die Gerechten, der Messias und Jerusalemאמר רבה אמר ר, יוחנן עתידים צדיקים) ״ שנקראים על שמו של ההב״ד■. ארש כר נחמני אמר ר׳(יונתן) (יוחנן) ג, נקראום על שמו של הקב״ה ואלו הן צדיקים, משיח וירושלים)*. Dieselbe Zukunftsweissagung findet sich auch in der Johannesapokalypse (3JS): ,,Wer überwindet, den will ich zum Pfeiler im Tempel Gottes machen . . . und will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel hernieder kommt und meinen Namen, den neuen." Eine Reihe von Sätzen des Talmuds, die im Namen des Rabbi Jochanan von einer allgemeinen Verelendung in messianischer Zeit berichten, erwecken den Eindruck eines nüchternen, prosaischen Resumes der Unheilsvisionen des Apokalyptikers (Kapitel 6 und 8). Rabbi Jochanan sagt: ,,Wenn du siehst, daß eine Generation immer mehr verkommt, so hoffe auf den Messias." Ferner sagt Rabbi Jochanan: ״In jener Zeit, in der der Sohn Davids kommt, werden 1 Apok. Joh. 119נ. 2 Thaanitli 5a. Jebamoth 62a. 4 Baba Bathra 75.