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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 347

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 347 (sequence 3)
Language
German
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Die Apokalypse war ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben. Das bezeugt nicht nur die große Zahl der Hebraismen und sonstiger Anomalien der Sprache, auf die schon hingewiesen wurde und die sich bei Jacquier zusammengestellt finden1, sondern vor allem die Tatsache, daß die Bibelzitate in der Apokalypse dem massoretischen Texte näher stehen als der Septuaginta2 3 4. Der Mann, der das Original ins Griechische übersetzte, muß ein hellenistischer, judengriechisch redender Bekenner des Mosaismus gewesen sein. Manche seiner Ausdrücke und Redewendungen, die in der übrigen griechischen Welt nicht bekannt sind, finden sich als griechisches Lehnwort im Talmud gerade in der der Apokalypse eignen Form (etwa xaTrjrcopy. Danach wird verständlich, daß, wie man festgestellt hat, von den 404 Versen der Apokalypse 278 Anklänge an alttestamentliche Stellen enthalten. Von einem Juden, der hebräisch schreibt, dürfen wir eine derartige Anlehnung an den Bibeltext erwarten. Bei der Uebernahme in den christlichen Kanon hat das Corpus der Apokalypse inhaltlich so gut wie gar keine Aenderung erfahren, abgesehen davon, daß einige einleitende Kapitel mechanisch beigefügt wurden. Die Tatsache dieser nur äußerlichen Christianisierung läßt sich gegenwärtig auf philologischem Wege feststellen. In den ersten Abschnitten der Apokalypse fehlen alle die sprachlichen Anomalien, von denen sonst das ganze Buch strotzt. Der Introduzent sprach nämlich als Christ nicht den Judendialekt, der in der Diaspora den Bewohnern der Judenviertel und ihrer Literatur eigen war. Die Johannesapokalypse als jüdisches Buch lag den Rabbinen der talmudischen Zeit in ihrer ursprünglichen Form vor. Es lassen sich an verschiedenen Stellen des Talmuds Zitate aus ihr feststellen. Eine Reihe von eschatologischen Sätzen, die im Talmud an einen Rabbi Jochanan geknüpft werden, kehren in derselben oder in ähnlicher Form in der Apokalypse des neutestamentlichen Johannes wieder. So sieht z. B. Johannes (Apokalypse 212) die heilige Stadt, das neue Jerusalem, vom Himmel herabfahren. Rabbi Jochanan kündet ebenso den Bestand eines himmlischen Jerusalem. Ihm zufolge spricht Gott: Ich komme nicht in das Jerusalem von unten, bis ich nicht im Jerusalem von oben war אמד דבי יוחנן לא אבוא 4(בירושלים של מטה, עד שלא אבוא בירושלים של מעלה. Im Talmud und in den alten Midraschim findet sich dieser Gedanke kein zweites Mal. Erst im frühmittelalterlichen rabbinischen Judentum machte der Ausspruch des Rabbi Jochanan Schule. In den jüngeren Midraschim finden wir nicht selten die Erwähnung eines himmlischen Jerusalem. Der Midrasch ,,Sepher Eliahu“ (Ozar Midraschim editio Eisenstein 27) spricht von der großen und schönen Stadt, die zur messianischen Zeit vom Himmel herabkommt und die Stelle des gegenwärtigen Jerusalem einnimmt. Die zu- 1 Jacquier, Histoire des livres du Nouveau Testament IV (les ecrits jolianniques] 419, Paris 1921. 2 Ib. 370. 3 Ib. 415. 4.Thaanith 5a.

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