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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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monophysitischen Kirche zur Rezeption der unter dem Namen des Lieblingsapostels Jesu segelnden Apokalypse nicht entschlossen. In der alten Peschittoübertragung der biblischen Bücher fehlt sie. Die Apokalypse gehört bis heute nicht zu dem neutestamentlichen Kodex der Nestorianer, welche in ihrer Isoliertheit am meisten die archaistische Urform des Christentums bewahrt haben. Auch die Anhänger der altertümlichen armenischen Kirche zählen die Apokalypse zu den zweifelhaften Bücheim. Ebenso erwähnt Filastrius in seinem Ketzerkatalog (XXXII) eine Häresie, die weder von der Johannesapokalypse noch von dem Johannesevangelium etwas wissen wollte. Innerhalb der ökumenischen Kirche griechischer Zunge, welche vermöge ihrer Verwurzelung in hellenistisch-orientalischer Erde gute Traditionen besitzt, verwarfen viele hervorragende Kirchenpersönlichkeiten die Apokalypse des heiligen Johannes. Der Bischof Dionysios von Alexandrien (gestorben 264 n. Chr.) erklärte, der Verfasser der Apokalypse sei keineswegs mit dem Apostel desselben Namens identisch, welcher Ansicht sich der Kirchenhistoriker Eusebios anschloß. Dieser klassifizierte die Apokalypse als Antilegomenon1. Aehnlich äußern sich später Kyrillos von Jerusalem, Gregorios von Nanzianz2 und Amphiloch (ad Seleuc.). Im vierten Jahrhundert unterließ es Chrysostomos, die Apokalypse mit seinen Homilien zu versehen, und auf dem Konzil zu Laodicea in Pisidien (um 372), an welchem zweiunddreißig Bischöfe teilnahmen, wurde ihr die Aufnahme verweigert, zur Zeit als im 60. Kanon die Bücher des Alten und Neuen Testaments festgestellt wurden, die die Kirche anerkennt. Anders wurde die Apokalypse im Abendlande beurteilt. Mit Ausnahme des Priesters Caius in Rom (3. Jahrhundert), der sie dem Häretiker Kerinthos zuschrieb, erklärten sich die bedeutendsten Kirchenautoren für die Authentizität. Hieronymus aus dem Grenzgebiet zwischen Dalmatien und Pannonien und Augustinus aus dem nordafrikanischen Hippo begegneten keinem Widerspruch, als sie die Kanonizität der Apokalypse anerkannten. Bald kommentierten sie im Abendlande der gallische Presbyter Sulpicius Severus und der Bischof Victorinus von Petavio (Pettau im heutigen Steiermark). Erst an der Schwelle der Neuzeit fand auch im Abendland eine andere Beurteilung statt, die gefühlsmäßig dem Ursprung des Buches gerecht wurde. Martin Luther erklärte: ,,Mein Geist kann sich in dieses Buch nicht schicken“. II. Die ablehnende Haltung weiter Kreise der christlichen Kirche gegenüber der Johannesapokalypse hat ihre Berechtigung. Tatsächlich liegt dieser Schrift ein hebräisches Buch zugrunde. Sein Verfasser war, wie sich zeigen wird, ein Rabbiner aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Fragmente dieses Buches finden sich im Talmud. 1 Eusebius, Historia ecclesiae III 39, VII 25, 39. 2 Gregorius Nanzianensis, Garm. p. 261, 1104; vgl. Renan, Vie de Jesu 297, Paris 1879,

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