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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 345

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes
Date
1930-01-01
Page
Seite 345 (sequence 1)
Language
German
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Hebräische Fragmente aus dem jüdischen Urtext der Apokalypse des heiligen Johannes. Von Matthias Mieses in Przemysl. I. Schon seit langem haben Religionshistoriker und Sprachforscher bei der Prüfung der Johannesapokalypse den fremdartigen, ungewohnlich stark hebräischen Charakter dieses Werkes herausgefühlt. Der in sprachlichen Dingen überaus feinfühlige Ernst Renan sprach bereits von ,,ce grec rempli d'hebraismes qui avait dejja ete la langue de!,Apocalypse de Jean1“. Ähnlich stellte später auch Jülicher fest;, daß einzelne Stücke der Johannesapokalypse fast wörtlich aus dem Hebräischen übersetzt zu sein scheinen, und daß die Apokalypse das am meisten jüdische Buch des Neuen Testaments ist2. Auch Vischer hielt den Grundstock der Johannesapokalypse für jüdisch; er meinte, die christliche Apokalypse sei eine erweiterte Uebersetzung einer ursprünglich aramäisch geschriebenen Apokalypse eines Juden, deren Urtext rest- und spurlos verloren ging3. Desgleichen wurden Holtzmann4 und der holländische Forscher Weyland durch sprachliche Untersuchungen zur Annahme einer jüdischen Grundschrift geführt. Letzter behauptet, daß die gesamte Apokalypse mit Ausnahme der ersten drei Kapitel und des Epilogs, die von einem Christen hei;־׳ rühren, griechisch schreibende gläubige Juden zu Verfassern gehabt hätten5. Weylands Ansicht schloß sich Schmidt an6. Selbst jene Forscher, die an den christlichen Ursprung der Johannesapokalypse glauben, bemerken die Fremdartigkeit des Textes und geben zu, daß in die ursprünglich rein christliche Apokalypse von Juden herrührende Stücke inkorporiert wurden (so etwa Sabatier7 und Weiß8). Jüngst schrieb der katholische Theologe J. Tixeront in seiner Histoire des dogmes (Paris 1924) über die Lehren der Johannesapokalypse ,,ils tiennent encore au judaisme et ä ses form.es" (1105). Die offizielle christliche Kirche hat nicht weniger als die modernen Gelehrten die Fremdartigkeit unserer Apokalypse erkannt und sich demgemäß ihr gegenüber lange feindlich verhalten. Im Urchristentum wurde das Buch lange Zeit totgeschwiegen. Erst um die Mitte des 2. Jh. n. Chr. wird es zum ersten Male erwähnt und etwa fünfzig Jahre später kommentiert. Aber trotz der Anerkennung durch einige orientalische Kirchenväter machte sich lange eine bewußte, offene Gegnerschaft gegen die Apokalypse geltend. Die syrische Kirche zeigt bis 400 n. Chr. keine Spur der Apokalypse. Noch in den Jahren 508 und 616 hat man sich in der 1 E. Renan, Origines du christianisme 350 troisi&ne edition. 2 Jülicher, Einleitung in das Neue Testament 234—249. 3 Vischer, Die Offenbarung Johannis, Leipzig 1886. 4 Holtzmann, Geschichte des Volkes Israel II 2, 658. 5 Weyland, Ommerkings en Compilatien-Hypothesen op de Apocalypse von Johannes, Groningen 1888. 6 Schmidt, Anmerkungen über die Komposition der Offenbarung Johannes, Fr ei bürg 1891. 7 Sabatier, Les origines literaires et la composition de 1’apocalypse de S. Jean, Paris 1888. 8 Weiß, Einleitung in das Neue Testament, Freibtirg 1906.

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