Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bemerkungen zu Jesaja
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 4)
- Language
- German
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Neckgespräch zwischen Gott und seinem Weinberg lauschen und an dieser Stelle, wo sie gleichsam selber aufgerufen werden, den entgegnenden Friedens- und Segensruf (die positive Ergänzung zu 25 וחרפת עמר יסירs) anstimmen: ,,Wurzel breite Jaakob, knospe, blühe Jissrael, daß sie das Antlitz der Welt erfüllen mit Gedeihen!“ 28I5 und 18 חוה und חוות Um חוה und חוות zu verstehen, bedarf es nicht der Vorstellung eines Zitierens der Todesgottheit (Duhm), mit welcher ,,Erscheinung“ ein Vertrag abgeschlossen werde; es handelt sich einfach um einen ,,Einschauvertrag“, ein ,,Einschaublatt“, das dem drohenden שוט שוטף (den wir trotz Barth mit ״Geißelgießbach“ übersetzen: ein geißelgleich auf den sich ihm Entgegenstellenden niederstürzender Gießbach ist ein durchaus einwandfreies Bild) gewissermaßen als Geleit- und Schutzbrief entgegengehalten wird. 30n סורו מני דרך וכד Der Sinn ist nicht ״gebt eure Richtung auf“ (Duhm), sondern דיך mit dem Parallelwort ארח sowie קדוש ישראל sind Zitate aus der geläufigen Prophetenrede. Wendet euch von dem ״Weg“, wird den Propheten zugerufen, schafft uns vom Antlitz fort den ״Heiligen Jissraels“, — d. h. verschont uns mit diesen euren steten Rede- Wendungen! Darauf erwidert nun (V. 12) der Heilige Israels selber: ״Weil ihr diese Rede verachtet habt . . .“ 3315 נער כפיו וכד Innerhalb der üblichen Auffassung ist נער כפיו ein seltsamer Ausdruck, denn נער bedeutet sonst gar nicht schütteln (diesen Sinn nehmen die Lexika bekanntlich nur um unserer Stelle willen an), sondern nur abschütteln, ausschütteln; auch עצם עיניו scheint, nach 2910 zu schließen, nicht ein bloßes Zumachen der Augen, sondern Gewaltsameres zu meinen; die אטם-Konstruktion endlich wird an der einen der beiden Stellen, an denen sie noch vorkommt, Ps 585, ausdrücklich mit Taubheit assoziiert, an der andern, Ps 2113, klingt immerhin das Sich-taub-steilen an. Wir glaubten daher1 die Ueber- Setzung wagen zu dürfen: ״Der eher seine Hände lahmschüttelte (eigentlich: abschüttelte) als daß er anfaßte eine Beschenkung, der eher sein Ohr taubstopfte als daß er anhörte einen Blutplan, der eher seine Augen stumpfpceßte als daß er zusähe dem Bösen“. Einem so Gearteten steht es doch wohl eher zu, ״in der Erhabenheit anzuwohnen“, also sozusagen Gottes Nachbar zu sein (vgl. V. 5), als dem bloßen Nichtsünder der üblichen Auffassung. So ist die Ausdrucksform zwar pathetisch, aber nicht ״geschraubt“ (Duhm) zu nennen. 1 Obgleich alle diese Bemerkungen auf die gemeinsame Uebersetzungsarbeit mit Franz Rosenzweig zurückgehen, möchte ich gerade für diese besonders hervorheben, daß ich sie seinen Aeußerungen zu verdanken habe. (Dasselbe gilt für die Bemerkungen zu 22819 ,0־ f., 95, 2825u.!8 und 30u.)