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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 342

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Bemerkungen zu Jesaja
Date
1930-01-01
Page
Seite 342 (sequence 3)
Language
German
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sorgsam ־amgegrabener, entsteinter, bepflanzter Weinberg bereitet hatte, und kündigte die Strafe an: die Schirmhecke des Weinbergs soll entfernt, seine Wand eingerissen werden, er soll nicht mehr geschneitelt, nicht mehr behackt werden, in Dom und Distel soll er schießen. Das Lied redete von der unmittelbaren Gegenwart des Propheten aus. Das zweite Weinberglied dagegen redet von einer zukünftigen Zeit aus, der Heilszeit, ,,jenem Tag“, und zwar redet es von dieser Zukunft aus retrospektiv über die Gegenwart des Propheten, die aber nicht mehr die gleiche wie in Kap. 5, sondern eine spätere und bessere ist: der Weinberg wird nun von seinem Besitzer wieder beschützt und gepflegt, aber noch hat er seine Wand, die hier ,,Mauer“ heißt, nicht wiedgrbekommen und ringsum ist Feindschaft und Bedrohung. Von dieser Uebergangszeit handelt rückschauend der Dialog. Er wird ,,an jenem Tag“ ,,wechselgesagt“ (,,singen“ bedeutet ענה niemals, sondern an den in Betracht kominenden Stellen stets wechselsingen oder einen Wechselgesang anstimmen); und angesnngen (לה, vgl. Nu 21l7, wo der Brunnen ebenfalls nicht ,,besungen“, sondern an gesungen wird) wird dasselbe Israel, das — nur eben in einem früheren Stadium seiner Geschichte — als Weinberg eine der Dialogpersonen ist. Als Weinberg, und zwar als ,,begehrlicher“ Weinberg, denn diese Assoziation soll כדם המל hier offenbar scherzhafterweise mit erwecken. ,,Dialog“ ist keine ganz zutreffende Bezeichnung; es ist eine Wechselrede, in der jeder der beiden Partner nicht zu dem andern, sondern von dem andern redet. In V. 3 spricht der Besitzer von seiner erneuten Pflege des ihm wieder teuren Weinbergs. Aber dieser antwortet (V. 4) mit einer Klage: er habe keine Mauer mehr, sei daher trotz des Bewachtseins bedroht; ,,wer gäbs, ich wäre (sc. wieder, wie in der schlimmen Zeit; unter Bezugnahme auf 56) Distel und Dorn, wenn doch (sc. noch) Krieg ist!“ Das solle er sich lieber nicht wünschen, erwidert der Besitzer, denn dann würde er auf ihn losschreiten und ihn sogleich in Brand setzen. ,,Dann zeige er lieber stark sich“, ruft der Weinberg, ,,als meine trotzige Wehr, er mache Frieden mir, Frieden mache er mir!“ Das bedeutet: möge dann doch mein Herr seine Kraft lieber gegen meine Feinde richten und ihrem Kampf gegen mich ein Ende machen! So spricht in der Wechselrede Israel von den es befehdenden Völkern. Aber ,,an jenem Tag“, an dem das retrospektive Lied gesungen wird, ist ja schon (vgl. 24 und 94) Friede zwischen allen Völkern, die Völker kommen alle zum Zionsberg (23, vgl. auch 256-8, wo übrigens כלע המות im Zusammenhang nichts anderes meint, als daß der Tod zwischen den Völkern, ihr gegenseitiges Todspenden, ,,verschlungen“ wird) und sie sind es, die dort den Chorus des Wechselgesangs bilden. Denn הבאים als abgekürzte Fassung von בימים הבאים anzüsehen, wie alle nichtemendierenden Kommentatoren tun, ist durch keine Belegstelle, durch keinerlei Analogie zu stützen; הבאים bedeutet vielmehr als ,,Personenangabe“ (ursprünglich wohl an den Rand geschrieben, um zu verhüten, daß spätere Generationen, die den Zusammenhang nicht mehr innehaben, den Vers mißverstehen) die Gekommenen, Herzugekommenen, — die Völkerscharen nämlich, die auf dem Zion dem vorgetragenen

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