Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Bemerkungen zu Jesaja
Date
1930-01-01
Page
Seite 344 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829973-2836377--50001-2836436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

344 כי אם שם אדיר וכר 3321 . Wer vermeidliche Emendationen gern vermeidet, wird zum Verständnis dieses Verses am besten davon ausgehen, daß die beiden אדיר hier schwerlich nichts miteinander zu tun haben dürften; ich möchte es geradezu als hermeneutische Maxime formulieren, daß biblische Wortwiederholung grundsätzlich, also wo das sich nicht untunlich erweist, als absichtlich und sinnhaft anzusehen ist. Es ist daher schon deshalb wenig wahrscheinlich, daß das erste אדיר auf ,ה zu beziehen sei. Dazu kommen stilistische Momente: auf den unjesajanischen Charakter eines כי אם sondern hat man schon hingewiesen; das שם nimmt sich trotz V. 20, als auf den Wohnort des Sprechers bezogen, wunderlich aus; vor allem aber würde die appositionelle Stellung von ה׳ durchaus gegen den Stil gehen; ganz abgesehen davon, daß אדיר sonst nirgends von Gott gebraucht wird (das charakteristische Philisterwort I Sam 48 soll ja besagen, daß für sie Gott eine der Götzenmächte ist; Jes 1034, das einige Erklärer heranziehen, wird von ihnen mißverstanden: באי״יר kann, wie schon bemerkt worden ist, nicht für כיד אדיר stehen, wir übersetzen: mit• seiner Herrlichkeit, d. h. mit seinen Zedern, vgl. Perles, Analekten I 75). Aber auch die Auffassung von נחרים Dpö als Prädikat oder Prädikativum in dem Sinn, daß Gott der Stadt ,,statt Ströme, breiter Flüsse“ sei, ist, wie Kittel mit Recht betont, aus Stilgründen abzuweisen. Das weitaus Einfachste1 ist doch wohl, שם auf Assyrien und beide אדיר auf Sanherib zu beziehen. Es ergibt sich dann die Bedeutung: ,,Denn ist dort ein Mächtiger: mit uns ist ER!“ Und nun lasse man das לנו vorauswirken und darf das Folgende so׳ verstehen: ״eine Gegend (sc. ist somit unser, ist somit die unsre, da es sich so verhält) von Strömen, von breitarmigen Läufen, die bleibt unbegangen von Ruderflotten, Schiff des Mächtigen, nicht kanns sie befahren“ (בי und יעברנו gehen nicht auf den metaphorischen ,,Strom“, sondern eigentümlicher-, aber nicht unmöglicherweise auf die reale ״Gegend“). Nicht Gott also wird mit Strömen verglichen, sondern es. wird in unmittelbarer Bildsprache gesagt, eine Stadt, die er beschütze, sei —wie unzulänglich auch sonst ihr natürlicher und technischer Schutz sein möge — sicherer als Sanheribs Hauptstadt hinter ihrem Wasserbollwerk, denn über dieses unser Stromnetz (metaphorisch: die göttliche Befestigung und Verteidigung) könne auch die Flotte des mächtigsten Feindes, für Jerusalem die Sanheribs, nicht fahren (metaphorisch: keine feindliche Macht könne hier etwas ausrichten); versuche sie es, so widerfahre ihr das in V. 23 beschriebene Schicksal (die Flotten-Metapher wird folgerichtig durchgeführt). Der dazwischenstehende V. 22 verstärkt noch die Gegen- Überstellung Gottes und des assyrischen. Königs: ״denn־ ER, Rechtschaffer uns, ER, Gesetzstifter uns, ER, König uns, er befreit uns!“ /a ,, ״ ״ , , , (Schluß folgt.) 1 Die Anregung hierzu verdanke ich einer Aeußerung von A. Kamin ka, der aber anders konkludiert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.