Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 19)
- Language
- German
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339 Mit einigen Worten wird beiläufig erwähnt, daß ich neuerdings ,,nach dem Beispiel Luzzattos“ für die Einheit des Buches eintrete. Dies ist insofern ungenau, als ich in meinen Arbeiten ausdrücklich im Gegensätze zu Luzzattos und Kleinerts theologischen Argumenten ausschließlich historisch ־philologische anfhhre. — S. 487 ist die Deutung der Mischna Sab. XVI 1 pn.]שאין קורי im Hinblick auf die Apokryphen ungerechtfertigt- Die ״späte Abfassungszeit“ des Hohenliedes wird schon von Hitzig, Renan u. a. stark bestritten, und Nachschlagewerke sollten doch objektiv sein und gegnerische Anschauungen nicht verschweigen. Torczyners Feststellung S. 519, daß eine große Zahl der Abweichungen vom MT in den .Versionen mit überlieferten Deutungen der Agada Übereinstimme, bestätigt meine Darlegungen MGWJ 1928, 255—263. Ganz richtig ist auch seine Bemerkung S. 525, daß man hei der Frage der Berichtigung des Textes auf innere Kriterien der Sprache, der literarischen Form und. des Inhaltes angewiesen ist. Eben darum aber müssen seine Konjekturen zumeist als unwahrscheinlich erachtet werden. In meinem Beitrage ,,B i b e 1 e x e g e s e“ (IV, 619—640) wird die Auffassung vertreten, üaß מסורת im Gegensatz zu מקרא die der alexandrinischen Philologie im Gegensatz zur rivcqvtuais ist (was auch durch meine oben Seite 322 (zu Prov 29lg) angeführte Entdeckung des ״Chasan“ als Exegeten, d. h. Schrifterklärer m der Septuaginta gestützt wird); ferner daß כקוד על und נו נין הפוכין aus dier griechischen Sprachlcunde stammen und daß Hillei für die einfache Schrifterklärung, z. B. Ps 119136 die ״Analogie“ nach dem Beispiel Aristarchs angewendet hat. — Eine sonderbare und irreführende Behauptung ist die Rubas chows S. 708, daß der in Talmud und Midrasch zitierte Bibeltext ״an mehreren 1000 Stellen“ vom MT abweiche. Wenn man von den orthographischen Ungenauigkeiten der Abschreiber absiebt, gibt es nur eine ganz kleine Anzahl von Abweichungen, und diese erklären sich aus der geringen Beschäftigung mit der Bibel seitens mancher Amoräer (vgl. b. Ab. z. 4 a) und aus. dem Umstand, daß auswendig zitiert wird. — Im Art. ״D a n i e 1“ (Bd. V, 764) ist Bernfeld zuzustimmen, daß vom Verfasser des Buches eine Anzahl von aramäischen Volkserzählungen ״in ihrer ursprünglichen Fassung“ (ich möchte lieber sagen: in einer der verbreiteten Versionen) in die Sammlung aufgenommen wurde und daß die Deutung des Nebuchadnezar-Traumes sich nicht auf die vier Weltreiche bezieht. Sie bezieht sich aber (wie bereits oben Seite 337 bei Charles Buch dargelegt wurde) auch nicht auf den Abstieg des babylonischen Reiches, sondern steht in Verbindung mit der Parabel von den Zeitaltern. Das Argument, daß es sich um eine junge Schrift handle, weil ״Ben Sira den frommen und weisen Daniel nicht erwähnt“, kann man nicht gelten lassen, da der 300 Jahre ältere Ezechiel ihn wiederholt nennt. Die Behandlung der biblischen Schriften im Jüdischen Lexikon Bd. I ist, wie in diesen Blättern (1928, 542) vom Herausgeber mit Recht gerügt wurde, einseitig im Sinne der Wellhausenschen Hypothese orientiert, welche auch Männer wie R. Kittel fallen gelassen haben. Was soll man zu der erstaunlichen, von keinem ernsten Forscher mehr vertretenen Auffassung sagen (S. 979), daß der Psalter erst um 100 v. Chr. zusammengefügt wurde (da er doch Mitte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts bereits ins Griechische übersetzt wurde), oder dazu (Art. ,,David“, Bd. II 51), daß ״in Wahrheit wahrscheinlich kein einziger Psalm, nicht einmal II Sam 2223“, von David stammt (1). — Ganz unhaltbar ist die Auffassung des Hohenliedes als ,,Sammlung von Hochzeitsliedern und -aufführungen mit ihrer reinen Erotik“ und die Meinung, daß die Aufnahme in den Kanon der Bibel ,,Zufall“ ist (darüber ist jetzt Näheres in der Einleitung zu meinem Kommentare zu lesen). Von demselben Autor (H. Fuchs) sind in Bd. II die auf modernen Forschungen beruhenden Artikel ,,Daniel“ und ״Esra“, in Bd. III ״Kohelet“, während 22*