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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 337

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 337 (sequence 17)
Language
German
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und Chaldäer, bei denen er eine göttliche Inspiration vermutet (44), besonders höflich gestaltet haben. Ch. ist der Ansicht, daß Dan 1—24 und 8—12 a.us dem Aramaischen ins Hebräische übersetzt worden ist, und zwar von verschiedenen Uebersetzern; der schwächste sei der Uebersetzer des Kap. 11. Eine sehr beachtenswerte Vermutung ist die zu b29) wonach die Worte zu vokalisieren wären: מנא תקל פרם, eine Mine, die nur das Gewicht einer halben Mine hat. Dabei wird auf das sprichwörtliche פרס P מנה (b. Taanith 21b) hingewiesen, das vielleicht aus dem Persischen entlehnt ist. Belschazar sollte auf diese Weise als gesunkener Nachkomme eines großen Vaters gekennzeichnet werden (Daniels Deutung wäre danach imabhängig vom ursprünglichen Sinn). Eine ganz unnötige und schwer zu rechtfertigende Versetzung nimmt Ch. mit dem Verse 120 vor. Er soll, und zwar ursprünglich aramäisch, eigentlieh nach 249 gestanden haben, wenn er nicht überhaupt gestrichen werden muß (S. 54). Aber man kann doch nicht annehmen, daß nach der großartigen Manifestation der göttlichen Erleuchtung Daniels, vor der sich der König niederwirft, dieser jenen erst auf seine Weisheit prüfen muß, um ihn den Chaldäern überlegen zu finden. Wer sollte auch jemals das Interesse daran gehabt haben, gerade diesen Satz aus seinem angeblichen Zusammenhänge zu reißen, um ihn an eine andere Stelle zu setzen? — An dem Anthropomorphismus עתיק יומי] 79׳ stößt sich der Verf. so sehr, daß er unter Heranziehung von Clem. Alex, und LXX 13ל (oaael ׳iralcuoc; בעתיק יומין korrigiert; an der zweiten Stelle sei dann diese Vergleichspartikel weggelassen worden. Aber erstens haben wir Beispiele dafür, daß das כ comparationis in der Dichtung überhaupt fortfällt (vgl. Hohel 115 עיניך יונים und 4דבש וחלב 6נ; Hiob 2915]; zweitens ist die Vision nicht kühner als Jes 6t und Ex 2419; drittens ist das Bild in dieser Form in der Agada von R. Akiba (b. Chagiga 14 a), Anfang des 2. Jahrh. und von R. Jochanan (Sanh. 38 b) bestätigt. — Zu der ganz richtigen Bemerkung, daß die emphatische Form 245 מבורא auch vorher in 2m מבור fordert (LXX, Th. und Joseph.: ££ opouc), möchte ich hinzufügen, daß der Berg als Ursprungsort des losgehauenen Steines hier in der Vision ganz überflüssig ist, aber an einer Stelle in einer anderen Apokalypse bedeutsam ist. In IV Esra 136 heißt es nämlich von dem mit den Wolken fliegenden Menschen: ,,sibimetipsi sculpserat montem magnum (vgl. אתנדרת) et volavit super eum.“ Dort steigt er nachher vom Berge herunter, um ein Heerdes Friedens heranzurufen. Von jener offenbar älteren Vision stammt hier die Variante des vom Berge losgehauenen Steines. Die ganze Dichtung dieses Kapitels ist sehr alten Ursprungs; sie handelt nicht, wie man später geglaubt hat, von vier aufeinanderfolgenden politischen Reichen, sondern nach einer schon im achten vorchr. Jahrh. im Orient verbreitet gewesenen Parabel, welche Hesiod (Erga 109—201) bearbeitet und modifiziert hat, von den vier Weltaltern, die aufeinanderfolgen. Während der griechische Dichter pessimistisch mit der Entartung der Welt im ,,fünften“ eisernen Zeitalter schließt (er hat nämlich vorher, nach dem goldenen, silbernen und ehernen ein nicht hineingehörendes ,,Heroen “־Zeitalter, avop&v;;püK'w frslov pvoc, eingeschaltet, um die trojanischen Helden zu verewigen), lehrt der jüdische Dichter durch seinen Zusatz am Schluß, daß wenn die Menschheit am tiefsten gesunlcen sein wird, sie durch das Reich Gottes wieder gehoben werden soll1. Mag man nun auch über Einzelheiten in Charles' Kommentar anders denken als der Verf., man muß mit Bewunderung und Dankbarkeit die Ergebnisse seiner umfassenden sprachlichen und gegen- 1 Ich habe darüber eingehend in Haolam 1929, Nr. 38 geschrieben, wo auch auf Reitzenstein u. Schaeder, Studien zum antiken Synkre־ tismus, bezüglich der verwandten Zarathustra-Sage verwiesen und Hesiods Dichtung 109—201 in hebräischen Versen wiedergegeben ist. Monatsschrift, 74. Jahrgang. 22

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