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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 336

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 336 (sequence 16)
Language
German
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336 Literatur und nehmen durchwegs auch auf die alten Versionen, insbesondere auf die griechische Rücksicht. Eigene Wege geht der Meister der Apokryphen-Forschung XL H• Charles in seinem im vorigen Jahr erschienenen stattlichen kritisch-exegetischen Kommentar zu Daniel1. Er legt besonderes Gemellt auf die Entwicklung des aramäischen Idioms in der Zeit von 800 bis 100 v. Chr. und unterscheidet in der sehr gelehrten, besonders den philologischen Problemen des Buches gewidmeten Einleitung fünf Perioden der Sprachentwicklung (I. 800—500 v. Chr.; II. 500—400; III. die Sprache in Esra 48—618 und 712-26; IV. Dan 24—7; V. Nabatäisch). Er stellt fest, daß in aramäischen Texten bis 300 v. C11. und noch später der Name des Monarchen immer dem Königstitel vorangeht (also gemäß der Formel ב~ובדנצד מלכא). Esra halte auch daran fest, bei Daniel tauche jedoch die nur im zweiten vorebr. Jahrh. analog vorkommende Wortstellung ,,König Nebuchadnezar“ auf. Baumgartner, Montgomery und andere Erklärer hätten dies nicht beachtet. Die Bemerkung ist sicherlich sehr wichtig. S. CI führt der Verf. Beispiele aus I Makk, aus andern Apokryphen und aus Josephus an, in welchen Schriften beide Wortstellungen Vorkommen. Aber es wäre auf eine ältere und für Daniel näherliegende, alttestamentliche Analogie hinzuweisen: in den Büchern der Chronik, die nicht später als im vierten Jahrh. v. Chr. verfaßt sein können, wird in gleicher Weise die Formel Tn המלך (I 1529, 17ls> 18n, 2924) wie דויד המלך VI 2431, 2632, 282, 29x, 9,29, II 2n) gebraucht, und die erste Form ist gerade in den Büchern Samuel und Könige die Regel. Da nun der Autor des Buches Daniel sicherlich vom Stil der hebräischen Geschichtsbücher mehr beeinflußt wurde als von dem sonstigen orientalischen Hofstil, so können wir aus 228, 4G, 31e, ö9,610 ,1ג entweder gar keine Schlüsse ziehen oder — entgegengesetzte: nicht ,,ancient order is forsaken“, sondern der Erzähler ist älter als das dritte vorclir. Jahrh. und hält noch am Stile der alten historischen Bücher fest! Eine andere interessante Beobachtung ist, daß der normale Sprachgebrauch der aramäischen Texte א&ר mit ל nur für das Sprechen zu gewöhnlichen Sterblichen zuläßt, dagegen bei Gott und bei einem Herrscher קדם fordert. Daraus schließt Ch., daß 39 (in LXX tatsächlich fehlend) eine Interpolation sei, ferner sei 43-7 von einem Interpolator, der keine Ahnung von dieser Regel gehabt habe und daher den König zu seinen Untergebenen mit der Formel der Ehrfurcht קדמיהוץ sprechen lasse. Wir möchten auch hier die Schlußfolgerung mit Reserve aufnehmen. Der Verfasser des Buches Daniel ist der Auffassung, daß Gott allein alle Ehrfurcht gebühre und die imächtigsten Könige nichts vor ihm sind; er kann sich sehr wohl n seinem Stile mit Bewußtsein von der übertriebenen Ehrerbietung rei gemacht, andererseits aber die Rede des Königs an die Weisen 1 ,,A critical and exegetical Commentary on the Book of Daniel, with Introduction, Indexes and a new english Translation“, by R. H. Charles, D. D. (Dublin) etc. Archdeacon of Westminster. Oxford, Clarendon Press, 1929. CXXVII + 408 S. (Preis: 30 sh.)

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