Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 335 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829973-2836376--49990-2836427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

335 Mit Recht weist R. darauf hin, daß man das Buch nicht zu spät ansetzen darf. Zum Beweise dienen ihm: 1. die talmudischen Zeugnisse aus der Zeit der ersten Tannaim (für nicht beweiskräftig halte ich jedoch die Anekdote b. Batra 3b über Ben Buta, die zu homiletischen Zwecken in späterer Zeit Worte aus Koheleth in ein Gespräch mit Herodes einfügt; dagegen kann angeführt werden, daß R. Eleasar b. Asarja bei seiner Installation einen Text aus Koheleth wählt). 2. Die Beziehung des Apokryphen-Buches ,,Weisheit Salomos“, namentlich II 1—9, zu Koheleth. 3. Eine umfassende Gegenüberstellung von Sätzen unseres Buches mit Sätzen aus Sirach, die den Einfluß von Koheleth auf Sirach als wahrscheinlich hervortreten läßt. Mitunter weist der griechische Sirach-Text eine liebereinstimmung mit LXX zu Koh. auf (z. B. Sir. 2726 6 bpuaacov ßoäpov efc aörov i/meastvat Eccl 108). Bezüglich der Bedeutung des Hellenismus für unser Buch schließt sich K. der Auffassung von M c N e i 1 e (Introduction to Ecclesiastes) an, daß morgenländische und griechische Anschauungen sich gegenseitig beeinflußt haben. Er gibt auch eine Liste der Worte und Redewendungen, bei denen manche Forscher eine Einwirkung des Griechischen vermuten, und zeigt, daß die Beispiele nicht beweiskräftig sind. Der Kommentar gehört sicherlich zu den besten in der ganzen Serie. Bei 14 ist die Beziehung auf Ps 119s0 nicht gerechtfertigt (s. MGWJ oben S. 295). — 35 meint sicherlich nicht die Reinheitsgesetze Lev 152324־• — 417 ist שמר zweifellos negativ (wie Jes 5€2) nicht positiv. F. Pcrles erklärt die Klagelieder (97—123). Er hält es für unentschieden, ob die Rolle in Judäa oder in Babylonien verfaßt wurde, aber für sicher, daß sie vor Cyrus entstand, da in ihr keine Spur einer Hoffnung auf Wiederherstellung (außer Ende Kap. 5) zu finden ist. Mit mehreren neuen Forschern stimmt er darin überein, daß die Schrift nicht von Jeremias sein könne, u. a. deshalb, weil Zedekias als ,,unser Odem, der Gesalbte Gottes“ bezeichnet wird (vielleicht ist aber Josia gemeint?) und weil 29 ganz allgemein von den ,,Propheten“ geringschätzig spricht (aber das hat auch Jeremia getan: 23g, 226!). P. hält das Buch für das Werk verschiedener Dichter. Im Kommentar schlägt er vielfach Konjekturen vor. Gr. HirscMer, der das Buch Esther (S. 222—■316) behandelt, erörtert in der Einleitung unter Benutzung aller modernen Forschlingen die Probleme der Abfassungszeit und der Entstehung des Purimfestes. Gegen die Verlegung des Buches in die hellenistische Zeit führt er mit Recht an, daß Antiochus nur die Religion und nicht das Volk ausrotten wollte; die Rolle hätte, wenn sie in dieser Zeit entstanden wäre, das Religiöse besonders hervortreten lassen; von ,,Bundesverlengnern“ wie in Dan 1132 ist in Esther keine Spur. Er tritt für das 4. oder Ende des 5. Jahrh. als Zeit der Niederschrift ein, wenn er sich auch die Anschauung zu eigen macht, daß das Buch Mitte des 2. Jh. in Palästina noch nicht bekannt war (was trotz des oft angeführten ,,argumentum a silentio“ aus I Makk 749 sehr unwahrscheinlich bleibt). Die sehr eingehenden und gewissenhaften Erklärungen zum Texte bieten das Beste aus der wissenschaftlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.