Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 9)
- Language
- German
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329 Es ist ja mein Kennzeichen, daß der Allmächtige mich erhören wird! Ein ganzes Buch hat mein Gegner darüber geschrieben (das Deuteronomium!), Habe ich es denn nicht als Last auf meine Schultern geladen, Nicht wie eine Krone auf mein Haupt gedrückt? Nicht meine Schritte einzeln ihm angepaßt, Es nicht zum Herrscher über mich erklärt? AVenn nun über mich meine Erde jammert (vgl. Jes 17 [אדמתכם לנגדכם!), Allesamt die Furchen um mich weinen (vgl. Jer 124, n — Streit mit Gott 121), Als hätte ich ihren Ertrag ohne Gegenleistung genossen, Dem Eigentümer (als unredlicher Pächter!) Enttäuschung bereitet; (Wenn) statt des Weizens Dornen wachsen (Jer 1213!), Statt der Gerste Unkraut blüht — — nichts hat Hiob mehr zu sagen! Als derartige Anspielungen auf das ehemalige Glück und den gegenwärtigen Verfall des Volkes wären auch 292-4 und 3031 (KlageL515) besser zu verstehen. Eine neue französische Uebersetzung der Hiob-Dichtung ,,de Poeme de Job“ ist von Paul Bertie in der Sammlung ,, Judaisme“ erschienen1. Der Verfasser will das wunderbare lyrisch-dramatische Buch einem weiteren Leserkreis dadurch näherbringen, daß er die Dialoge in rhythmische Verse überträgt, wenn auch ohne Reime, um sich möglichst an das Original anschließen zu können. In einer Einleitung (S. 9—61) bespricht der Verf. den Gegenstand und den Plan der Dichtung. Es ist merkwürdig, wie jeder aus dem Buche herauslesen kann, was er hineinlegen zu dürfen glaubt. Bertie meint, daß Hiob sich keine Sorgen macht über die moralischen Ziele der göttlichen Vorsehung im allgemeinen oder über die Gerechtiglceit in der Welt; er beschuldige Gott nur einer Ungerechtigkeit mit Bezug auf seine Person und bitte um Aenderung seines unglücklichen Loses. In der ״Klage“ werde also das Problem der Leiden nur für den besonderen Fall Hiobs aufgestellt (״le problenre de la souffrance ne se pose ainsi que pour le cas particulier de Job lui-meine“). Als Problem von allgemeiner Tragweite bleibe es ganz im Hintergründe des Dramas, es sei ein Rätsel, an dessen Lösung der Autor nie gedacht hätte. Wie man das angesichts solcher Stellen, wie 7!, 14!-12, 217-g3 behaupten kann, ist ein wirkliches Rätsel. — In der Uebersetzung weicht der Verf. manchen schwierigen Stellen aus (was schließlich besser ist, als sie falsch wiederzugeben), bedenklich ist jedoch, daß er Versetzungen des Texts vornimmt. Es wird z. B. 26514־ aus Hiobs Rede genommen und an die Rede Bildads 26^ angeschlossen; 2418-24 wird Zophar zugewiesen. B. scheint dabei P. Dhormes Kommentar zu folgen2, auf den er sich auch bei Erklärung einzelner Stellen beruft. Von diesem ist auch die Uebersetzung 76 i"V)pr ״ באפסfaute de fil“ (Faden, nach Arndt, aber schon von I b n Esra angeführt), die wenig Zustimmung findet. — Das Buch Hiob ist jedoch so reich an Ideen und so gewaltig durch seine Sprache, daß eine schöne Uebersetzung wie die vorliegende, wenn sie auch nur einen großen Teil des Inhaltes 1 ,,Le Poeme de Job“, Traduction nouvelle, introduction et notes, par Paul Bertie. ״Les Editions Rieder“, Paris, 7. Place St. Sulpice (1929). — ,,Judaisme“, Etudes publiees sous la direction de P.-L. Couchoud. (12 fr.) 2 P. Dhorme, Le livre de Job. Introduction, traduction et commenaire. Paris 1927. (Das Buch ist Ref. nur dem Titel nach bekannt.)