Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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325 ganzen, der eine von N. Peters1, der andere von Ed. Köllig*2. Beide behandeln mit bewundernswerter Umsicht und Gründlichkeit, unter gewissenhafter Benutzung und Ueberprüfung der gerade zu Hiob vorhandenen fast unübersehbaren älteren Literatur, Satz für Satz die grammatischen und stilistischen Probleme und widmen den Fragen über die Entstehung der Dichtung, die Idee derselben und den Aufbau des Buches eingehende Untersuchungen. Mit besonderer Wärme spricht Peters von der klassischen Schönheit der Reden, die in der gigantischen Urkraft ihres Pathos oder in ihrer elegischen Resignation ihresgleichen bei den besten Dichtern aller Zeiten suchen. Er tritt für die Einheit des Buches ein, obwohl er es grundsätzlich auch vom katholischen Gesichtspunkt für zulässig hält, mehrere inspirierte Verfasser anzunehmen. Er hält es für sicher, daß ein Dichter der Autor des ganzen Buches, auch der Elihu-Reden ist — wie bereits Sellin der Anschauung ist, daß der Dichter auf der letzten Stufe seiner Vertiefung in das Leidensproblem zu dem Gedanken des Läuterungsleidens fortgeschritten sei und Kap. 32—37 als reifste Frucht seines eigenen schwer geprüften Lebens eingeschoben habe. Der Dichter hat nach P. lange an seinem Werke gearbeitet, vielleicht sein Leben lang mit dem Probien! gerungen; er war mit den heiligen Büchern seines Volkes vertraut, namentlich mit den Psalmen, von denen er mitunter einen sarkastischen Gebrauch macht. Mit Bezug auf Prolog und Epilog schließt sich P. der Ansicht von der Existenz eines älteren ,,Volksbuchesw vom Dulder Hiob an: Wir können uns das nicht recht vorstellen. Volksbücher, wie sie seit Erfindung der Buchdruckerkunst Verbreitung gefunden haben, hat es ja im Altertum überhaupt nicht gegeben. Die Priester und Gelehrten verbreiteten mündlich alles Wissenswerte. In Israel haben sicherlich große Teile des Volkes, denen die Tradition heilig war, die Gesänge Moses und die Geschichte der Urzeit gekannt, aber Erzählungen, die zur allgemeinen Weisheit des Morgenlandes gehörten, und noch dazu solche, die sich auf Männer fremden Stammes bezogen, waren schwerlich im Volke verbreitet. — Als Beispiel der auch von anderen Forschern bemerkten Aramaismen hebt P. (S. 27*) besonders die Form מלין neben מלים hervor. Doch gerade diese schwankende Pluralform hat ihre Analogie in Mich 312 עיין, als sicher bezeugt durch G. <mcopo<puMnov (vgl. Stud. z. Sept., 40 — MGWJ 1928, 265) und Jer 26ls עיים. — In der Textkritik hat P. hauptsächlich die Erklärung von MT und Vulgata im Auge und verzichtet in Anbetracht der Beschaffenheit der ältesten Zeugen, namentlich des Gr., auf eingehende Behandlung aller Varianten, die er aber nichtsdestoweniger reichlich nach allen wichtigen Hand- Schriften und den auf Gr. beruhenden Uebersetzungen mit großer 1 ״D as Buch Job, übersetzt und erklärt von Dr. Norbert Peters, Prof, der Theologie an der B. Philosophisch-Theolog. Akademie zu Paderborn“ (Exeget. Handbuch zum A. T. hrsg. v. Prof. Dr. A. Schulz, Breslau, 21. Bd.), Münster i. W. 1928. Aschendorffs che Verlagsbuchhandlung. XXV1II + 99 + 517 S. Preis: Mk. 18.—, geb. Mk. 20.—. 2;,D as BuchHiob, eingeleitet, übersetzt und erklärt von Eduard König, ord. Prof, und Geh. Konsistorialrat in Bonn“. 1929. Verlag C. Bertelsmann in Gütersloh, VIII + 510 S. Preis: Mk. 19.50, geb. Mk. 22.—.