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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 5 · p. Seite 323

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 5
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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323 In der Einleitung (S. 26) wird ohne Quellenangabe oder Nachweise erwähnt, daß Targ. mit LXX an meJtir als 100 Stellen (offenbar: gegen MT) übereinstimmen. Nach meinen Untersuchungen, sind es m Prov nur etwa vierzig Stellen, und darunter mehrere, die von K. im Kommentar nicht erwähnt werden (wie 1625 דרך ישר, doxouaai 204;דמתחזיא דתריצא foetdtCfyevoc, מחורף ־= מתחסד u. a.). Der Kommentar zu Hiob ist, wie erwähnt, ein Jahr früher erschienen. Verf. ist hier mit gleicher Sorgfalt und wissenschaftlichem Emst bestrebt, in der umfassenden Einleitung (S. 4—27) die mit dem Buch zusammenhängenden Probleme zu beleuchten. Bei der Behandlung des überlieferten Textes sucht er mit philologischen Mitteln nach Möglichkeit ohne übereilte Konjekturen auszukommen, obwohl er diesen nicht grundsätzlich ausweicht. — Bei der Besprechung des Verhältnisses der Dialoge zur Rahmenerzählung (Kap. 11. und 427-17) scheint K. den dichterischen Grundgedanken nicht richtig zu erfassen. Er hebt unter den ״Widersprüchen'4 (S. 11) hervor, daß im poetischen Teile (d. h. in den Dialogen) nicht die geringste Andeutung dafür zu finden sei, daß Hiobs Leiden durch den Satan hervorgerufen wurden. Aber das ist ja der Kunstgriff des Verfassers: es soll nichts anderes dargestellt werden (aber dies mit einer gewaltigen Rhetorik nach tiefsten Empfindungen) als die Tragödie eines Menschen, der ganz unschuldig leidet und gegen den Lenker der Welt als gegen einen erbarmungslosen, ungerechten Tyrannen Klage zu führen berechtigt ist. Nur der Leser, der durch den Prolog eingeweiht ist, darf wissen, daß der im Schmerze sich windende Dulder mit seiner starken Seele, die auf keine heuchlerische Selbstbezichtigung eingeht und gegen alle überlieferte fromme Weisheit dabei bleibt, daß ihr Beispiel die Ungerechtigkeit Gottes beweise, tatsächlich im Recht ist, da die Leiden nur die Folge eines besonderen, ihm unbekannten Paktes zum Zwecke seiner Erprobung sind und der Schöpfer der Welt hinter der Szene seine Freude hat an diesem Heldentum einer Menschenseele (״Ecce sp.ectaculum dignum ad quod respiciat intentus operi suo Deus . . vir fortis cum fortuna mala compositustf, Seneca, Provid. II 9). Es ist daher nach dem Plane des Buches ausgeschlossen, daß in den Dialogen auf die Vorgeschichte angespielt wird. Ebensowenig beachtet K. die Rollenverteilung, wenn er findet^ daß die Freunde ״nicht weniger fromm sprechen als Hiob selbst'c (אין דבריהם נופלים בחסידות מדבריו של איוב), im Gegenteil, nur die Freunde triefen von vulgärer Frömmigkeit und streuen moraltheologische Sentenzen und Zitate aus den Psalmen um sich, die ihnen der Dichter absichtlich in den Mund legt, während Hiob diese unaufrichtige Moral der Satten und Glücklichen verabscheut und ketzerisch spricht, und häufig ironisch die frommen Zitate wiederholt. Diese seine Ketzerei aber ist vor Gott Wahrhaftigkeit (427). Es ist auch kein ernster Widerspruch, daß Hiob von den Karawanen von Saba (61Ö) mit Sympathie redet, während er von ihnen im Prolog ausgeplündert wurde, da die Rahmenerzählung vom Dichter doch 21*

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