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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 304

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 304 (sequence 14)
Language
German
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304 Salbung ohne jede Feierlichkeit zu vollziehen und eine ,,Inthronisation“ wird (913) auch nachträglich nur in sehr primitiver Weise vollzogen. Beim Tode Amazjas setzt ,,das Volk von Juda“ den 16jährigen Asarja (Usija) auf den Thron, ohne daß irgendein feierlicher Akt unter prophetischer Mitwirkung auch nur andeutungsweise erwähnt wird. Die wahren Propheten von der Geistesrichtung Amos’ und Jesajas' (und nur aus deren Kreise sind die Psalmen hervorgegangen) haben auch jeden Prunk und jede Hervorkehrung menschlicher Macht verschmäht und nur im Sinne von Ps 3316 f. gesprochen. Wenn ihnen gegenüber etwa Baalspropheten im Norden (bei den so oft wechselnden Dynastien!) das im Volke wenig verwurzelte Königtum an besonderen ,,Ehrentagen“ mit hochtrabenden Phrasen glorifiziert haben, so sind deren Stilübungen von den ernsten, nur Demut und wahre Frömmigkeit suchenden Männern, die das Psalmenbuch schufen, sicherlich nicht aufbewahrt worden. Man kann sich auch nicht vorstellen, daß der Prophet zum König sagte: ,,Setze dich zu meiner Rechten“, da dies, selbst im Namen Gottes gesprochen, doch sinnbildlich so hätte dargestellt werden müssen, daß der Prophet obenan als wichtigste Persönlichkeit und daneben erst der König gesessen hätte. Stilistisch und logisch ist es ferner nicht möglich, den ganz allgemeinen Wunsch oder Segen: ,,bis daß ich mache deine Feinde zum Schemel deiner Füße“ (welcher nicht einmal auf einen bestimmten, unmittelbar gerade erwarteten Sieg hindeutet) in einem Satze, mit dem ,,setze dich zu meiner Rechten“ zu verbinden, das eine genau begrenzte, in sich geschlossene Zeremonie bezeichnet . Der Wunsch hätte mit 1, oder asyndetisch, später, wie 728-u, angeschlossen werden müssen, und daneben hätte auch die Erwähnung der Gerechtigkeit als oberster Pflicht des Königs nicht fehlen dürfen, da selbst in ״König Lipit-Istars Vergötterung“ (H. Zimmern, Verh. d. kgl. sächs. Ges. d. W. zu Leipzig, 1916), die man als sumerische Parallele zu Ps 2 anführt, dem König eingeschärft wird: ,,mit gerechtem Zepter das Volk zu leiten“, ,,die Gerechtigkeit, du seiest ihr Mann, deine Helferin sei sie“1. D. baut zu fest auf dem labilen Grunde der von M 0 w i n c k e 1 u. a. über Prozessionen und Thronbesteigungsfeste vorgebrachten Hypothesen2. Samuel Daiches versucht in einer Publikation des Jews* College in London ״Studies in the Psalms“3 in geistreicher Weise einzelne Ausdrücke in den Psalmen, insbesondere בני אדם und □גוי, anders zu deuten als seit den ältesten Zeiten allgemein angenommen wurde. בן אדם soll im bibl. Sprachgebrauch häufig einen wohlhabenden Grundbesitzer (a man of possessions, an aristocrat) bedeuten. Nimmt man das an, so ist an manchen Stellen, wie 122, 142, die Brandmarkung dieser Uebermütigen im Gegensatz zu den Armen und Rechtschaffenen verständlicher (dabei will Verf. 12s תשמרם, תצלנו auf die Bösen, im Sinne von ״Bewachen“, ,,Absperren“ erklären). Aber der Einfall 1 Landesdorfe r, Bibi. Zeitschr. XVI 40. 2 Wie wir oben bei König (II), Seite 293, angeführt haben, nimmt auch er entschieden Stellung gegen diese Vermutungen. 3 ,,Studies in the Psalms“, Parti, by Sam. Daiches, Jews’ College Publication, No. 12, London, Humphrey Milford, 1930 (Oxford University Press), 50 S.

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