Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 13)
- Language
- German
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303 als bürgerliche Entgleisungen — bei denen im Stadium der Untersuchung, wenn sie mit Haft verbunden war, doch schwerlich die Angeklagten die ,,in Elend und Eisen, in Finsternis und Todesschatten“ Schmachtenden (Ps 107) genannt werden konnten. Ps 118 übersetzt Sch. geradezu: ,,Aus der Haft hatte ich Jah gerufen“, was aber für מן המצר ebensowenig Zustimmung finden wird, wie die Annähme, daß בשנאי die Leute sind, die den Betenden in den Kerker gebracht, und בעזרי — die beim Verfahren im Tempel amtierenden Priester! — Ps 17 ist die Konjektur צרה — אלי (Erwache, mein Gott, das Gericht entbiete!) unnötig, und V. 8 לארמים keine Verderbnis. Bei משבט צרית denkt der Dichter an das nach dem uralten Gesang Moses Deut 3 23643־ von Gott bestimmte dereinstige Gericht über die Völker (von dort auch Ps 13514 zitiert). — Verhältnismäßig stark wird die Hypothese des Verf. durch Stellen in Ps 109 gestützt; mit Rücksicht auf V. 16 denkt er dabei an einen Kranken als Betenden. Ohne eine befriedigende Lösung zu bringen, bietet die Schrift immerhin beachtenswerte Anregungen zum Verständnis einzelner Psalmen. Mit ״Ps 110 im Lichte der neuen altorientalischen Forschung“ beschäftigt sich Lorenz Dürr1. Die Abhandlung ist eine Erweiterung des Vortrages, den Verf. auf dem 5. Deutschen Orientalistentag in Bonn (1928) gehalten hat. Bereits W. Erbt und A. Jeremias haben den Psalm als ,,Inthronisationstext“ erklärt, S. Landersd o r f e r betrachtet ihn als Orakel am Krönungstage Davids zur Legitimierung seines Königstums in Jerusalem. Mowinckel sieht in ihm, wie zugleich in Ps 2, ganz allgemein ,,zur Liturgie des Salbungstages gehörende Orakel“ (in Ps 2 fänden sich ,,agendarisch vorgeschriebene Stücke der Salbungsliturgie“; wir haben gegen die verbreitete Ansicht, daß das Lied von einem König spreche, MGWJ 1927, 296, unter Hinweis auf die gleiche Diktion in Ps 10510,משיחי 5!־ לך אתן את ארץ, לחרק, die Beziehung auf Israel vorgezogen). D. stützt sich nun auf die altorientalischen Quellen, nach denen der Ehrentag des Königs kultisch-liturgisch begangen wurde (ein Papyrus aus dem Ramesseum im westlichen Theben enthält ״ein dramatisches Spiel zur Thronbesteigung“, K. Sethe, Dramatische Texte zu Altägyptischen Mysterienspielen II 81) und hält es für sicher, daß Ps 110 ״vom Propheten am Tage der Thronbesteigung zum feierlichen Akte der Thronerhebung vorgetragen wurde“. Der Analogieschluß ans den orientalischen Bräuchen scheint uns hier nicht gerechtfertigt. D. selbst gibt zu (S. 11), daß wir für Israel keine direkte Darstellung der Vorgänge bei der Königskrönung haben. Man kann noch mehr sagen. Die Thronbesteigung Salomos ist I Kön 1—2 sehr eingehend geschildert und I Chr 2922—II Chr 1 wiederholt. Die hier alles Prunkvolle hervorhebenden Geschichts- Schreiber hätten sicherlich nicht unterlassen, ein Krönungsrituale und eine Ansprache des Propheten zu erwähnen, zumal wenn der Text feststehend und in dem Psalter enthalten war, aus dem der Chronist sonst gerne wörtliche Zitate anführt. Bei der Salbung Jehus erfahren wir II Kön 9, daß Elischa einen Prophetenjünger beauftragt, die 1 Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster i. W. 1929, 26 S. (zugleich als Programm zum Vorlesungsverzeichnis der Staatl. Akademie in Brauns berg für das Wintersemester 1929/30 erschienen).