Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 15)
- Language
- German
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305 ist ein willkürlicher. Nicht nur in Kohel (113, 23, 310 u. a.), sondern auch im älteren Schrifttum, wie II Sam 2619, I Kön 8S9, Jes 5214, 562, Jer 3219, und in den Psalmen selbst, z. B. 8948, 145!2, ist בן אדם zweifellos das einfache Menschenkind ohne jede soziale Färbung. Ebensowenig kann man D. folgen, wenn er גו ים nicht als die Völker der Welt, sondern als Grundbesitzer in Israel (״Owners of the land‘f, ausgehend von Jer 618) und reiche, gottlose Leute (wealthy, wicked people) erklären will. Man denke an Ps 117, 11810 u. a. St., wo ganz deutlich von den Heidenvölkern gesprochen wird, wenn סי auch häufig von Israel in seiner Gesamtheit angewendet wird. — Der Verf. interpretiert ferner Ps 2, wobei er erfreulicherweise zu אספרה אל חק den mas. Text im Gegensatz zu den gewagten Konjekturen verteidigt und ,,I will declare the law" übersetzt. Entgangen ist ihm unter den S. 36 angeführten neueren Erklärungen unsere Interpretation MGWJ 1927, 296. — Manche Einzelbemerkungen sind dankenswert. (Schluß folgt.) Zu Ihn Esras Exoduskommentar. Von L. Fleischer und S. Ochs. Indem ich Herrn Rabb. Dr. Ochs bestens danke, daß er sich mit meinem אבן עזרא so eingehend befaßte und in seiner Rezension (MGWJ Nov./ Dez. 1929) so lobend äußerte, kann ich es nicht unterlassen, seine Einwände gegen meine Behauptung, daß der kurze Exodus־Kommentar Ibn Esras viele Jahre vor dem langen entstanden ist, zu widerlegen. Ich folge Dr. Ochs Punkt für Punkt. 1. Im ,,Jesod Mora“, der 1158 in London abgefaßt wurde, sagt I. E.: (S. 26b) וכבד פרשתי וירש אותה כי הוא אסמכתא בעלמא. Da wir diese Erklärung nur im kurzen Kommentar zu Ex 218 finden, muß — laut meiner Ansicht — angenommen werden, daß I. E. den kurzen Kommentar bereits vor 1158 vollendet hat, und nicht erst kurz vor seinem Tode. O. glaubt, dieser Beweis wäre ganz hinfällig: ,,denn woher weiß denn unser Verfasser, daß diese Erklärung nicht auch im langen Kommentar zu Numeri 2ב1ל, der uns leider verloren gegangen ist, gestanden hat?“ — Ich frage dagegen: Woher weiß Herr O., daß I. E. zu Numeri überhaupt einen langen Kommentar geschrieben hat, der uns dann verloren gegangen ist? Meines Wissens finden wir weder in I. E.s eigenen Werken, noch in der ganzen I. E.־Literatur für diese Behauptung irgendeine Stütze und sei es auch bloß eine leise Andeutung. 2. Im Sefer Plaibbur (9a) sagt I. E.: כאשר פרשתי מקצת סודם בספר הישר שהוא פרוש התורה. Da das Sefer Haibbur 1147 bereits vollendet war, muß — meiner Ansicht nach — der kurze Kommentar schon vorher fertig gewesen sein. ,,Aber warum soll nicht auch im Sefer Haibbur der lange Kornmentar g-emeint sein? Der lange Kommentar kann doch auch ספר הישר geheißen haben“, fragt Dr. 0. Indes sagt I. E. in seiner Vorrede ganz eindeutig vom kurzen Kommentar: ,,זה ספר הישר לאברהם השר“. Daß aber auch der lange Kommentar ספר הישר geheißen hat, hat Dr. O. nicht im geringsten zu begründen oder zu stützen versucht. Wahrscheinlich ist es durchaus nicht. . Denn es ist nicht anzunehmen, daß ein Verfasser zwei verschiedene Werke mit ein und demselben Namen benennt. Obendrein ist nicht zu bezweifeln, daß der lange Ex.־Komm, erst im Jahre 1153 fertig wurde, denn das besagt der Epigraph, der am Ende dieses Buches (Ed. princeps und mehrere Mss.) zu finden ist: ואלה שמות הבור לאברהם נשלם שנת תתקי״ג יקר כמו שהם״“. Der im Jahre 1147 verfaßte Sefer Haibbur kann also diesen Kommentar keineswegs gemeint haben. 3. Wäre der kurze Kommentar im Jahre 1167 — also im 75., dem Sterbejahre I. E.s — verfaßt worden, so bliebe unerklärbar, unverständlich, daß der 75 jährige I. E. immer noch nene und ganz große Pläne gehabt hätte, Monatssdirift, 74. Jahrgang. 20